Ob Monteagudo mit „Ende“ einen Roman oder doch eher ein Drehbuch verfassen wollte, bleibt fraglich. Zweifellos sorgt sein Erstlingsbuch für Aufsehen und zeigt ein trostloses Endzeit-Szenario in den Bergen Spaniens. 2012 folgt dann auch die gleichnamige Roman-Verfilmung.

 

Mit seinem Debütroman „Ende“ bringt der Spanier David Monteagudo einen der kurzweiligsten Erstlingsbücher der letzten Jahre heraus. Monteagudo beschreibt ein apokalyptisches Szenario, das auf leisen und heimlichen Pfoten kommt. Nach dem Motto: „Stell dir vor, es ist Weltuntergang und keiner kriegt es mit.“ Der Autor vermittelt ein Bild der menschlichen Unwissenheit und Betriebsamkeit zugleich, die dazu führen, dass der „Weltuntergang“ fast als eine beiläufige Eskapade wahrgenommen wird. Das liegt aber auch daran, dass das Werk vielmehr einer Drehbuchbvorlage als einem opulenten Roman ähnelt.

 

Der Weg ist das Ziel

Für seinen Erstlings-Roman beschreitet Monteagudo einen gänzlich anderen Pfad, der ihn wie seine Protagonisten in „Ende“ in die gebirgige Ödnis führt. Aber in keine Sackgasse, denn der 1962 im galizischen Viveiro geborene Autor verlässt die altbekannte Erzählerpfade und orientiert sich an anderen „Wegweisern“. So meint der „Literaturwelt“-Blog, dass Monteagudo sich einigermaßen an „Die Straße“ von Cormack McCarthy orientiert. Im Grunde an einem guten Beispiel, weil dieser laut US-Fachpresse zum besten Roman der letzten Jahre gekürt wurde. Wie bei McCarthy geht es auch bei Monteagudo um einen Weg ohne Ziel und „Ende“.

 

Akrobaten der Apokalypse

© Rowohlt Verlag

Für neun Freunde, die in der Mitte ihres Lebens stehen, ist das Treffen nach 25 Jahren in einer entlegenen Berghütte, eine große Hürde. Seit einem Vierteljahrhundert haben sich die Vertrauten nicht mehr gesehen. So keimen beim Treffen wieder die alten Gefühle hoch: Freundschaften, Liebschaften aber auch angestaute Konflikte und Abrechnungen, die nie beglichen wurden. In all diesem menschlichen „Gefühls-Zirkus“ bricht die Apokalypse herein: Allmählich macht sie sich durch eine unheimliche Stille bemerkbar, so als ob diese neuen „Freunde“ die einzigen Lebewesen auf Erden wären.

Dabei sind sie doch nicht ganz so allein wie anfangs angenommen, eine Meute streunender Hunde und noch anderer größerer Tiere hetzt ihnen nach. Die Trostlosigkeit ihrer Existenz wird ihnen in der trockenen iberischen Gebirgslandschaft bewusst. Das Landstrichbild dominiert das ganze Geschehen und spiegelt ein Bedrohungs-Szenario wie vergänglich der Mensch gegenüber der universellen Natur sein kann. Ob nun physisch durch die Größe der Landschaft oder geistig durch die Lösung unerklärlicher Phänomene. Zudem verschwinden die Gruppenmitglieder einer nach dem anderen.

 

Ein „verskriptetes“ Buch

Das dramaturgische Element der Erzählung bildet nach wie vor das reihenweise Verschwinden der neun Protagonisten bis am Ende ein paar von ihnen übrig bleiben. Der Spannungsbogen dehnt sich zu Gunsten dieses „Effektes“ erheblich aus: Einerseits gut um Kurzweile und Neugier zu erhalten. Andererseits schlecht, weil man nie richtig einen Bezug zu den Figuren findet, die sich fast alle in oberflächlichen Klischees verlieren. Sieht man jedoch darüber hinweg gelingt es Monteagudo einen packenden Erstlingsroman in „verskripteter“ Form zu verkleiden.

Vielfach bestätigt sich beim Lesen, dass dem Autor eher ein Drehbuch statt einen Roman in den Sinn gekommen sein muss. 2012, drei Jahre nach der Erstveröffentlichung von Monteagudos Buchs, kommt die gleichnamige Verfilmung in die Kinos. Unter der Regie des Spaniers Jorge Torregrossa entsteht eine „mittelmäßige“ Filmadaption, die bei der Filmpresse besser ankommt als beim Zuschauer. Der Film-Release im November 2012 fällt übrigens mit dem prophezeiten Maya-Weltuntergang am 21. Dezember 2012 zusammen. Vielleicht ein Kniff, den sich die Macher einfach hingeben wollten.

 

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