In den Mittelerde-Verfilmungen von Peter Jackson spielen die ehrfurchtvollen Bergadler eine untergeordnete Rolle. Trotzdem nehmen die göttlichen Flügelwesen eine besondere Stellung an den höchsten Gipfeln ein – und wachen von diesen über alle Lande und Völker Mittelerdes.

 

Unerwartet und auf leisen Schwingen greifen die Riesenadler ins Geschehen des Finalteils der „Hobbit“-Filmreihe ein. Als die titelgebende „Schlacht der fünf Heere“ ihren Höhepunkt erreicht, zieht ein ganzes Geschwader der stolzen Vögel über Titelheld Bilbos und Thorin Eichenschilds Kopf hinüber. Überall aus den Bergen Mittelerdes sind sie eilend her geflogen. Sie kommen um ihren Freunden, den Elben und ihren verbündeten Menschen und Zwerge, im Kampf beizustehen. Bilbo, der das ganze Geschehen miterlebt, ist heilfroh und glücklich, diese Wesen noch einmal in voller Aktion zu sehen – und auch die Filmzuseher von Peter Jackson.

 

Die Adler bei Peter Jackson

Mit dem dritten und letzten „Hobbit“-Streifen beendet der neuseeländische Regisseur 2014 seine Mittelerde-Saga. Jackson bietet den großen Bergadlern zum Abschluss noch einen letzten großen Auftritt. Seit dem Beginn der „Herr der Ringe“-Produktionen sind die Adler zum Inbegriff „Lebensretter“ und „Fluchthelfer“ geworden. Einen besonderen Bezug haben sie zum Zauberer Gandalf. Viele Szenen aus der „Hobbit“ und dem „Herr der Ringe“ weisen dessen freundschaftliche Beziehung zu den Greifvögeln hin. Die schweigsamen Flügelwesen stehen aber auch für eine „göttliche Fügung“. Ihr ganzer Charakter erschließt sich erst bei näherer Betrachtung.

 

Tolkien und die Adler

Für ihren literarischen Erfinder, John Ronald R. Tolkien, sind die Adler, in elbischer Sprache Thoron genannt, Wesen aus einer anderen Welt. Sie sind Nachrichten-Bringer und Boten, die sowohl in Mittelerde als auch in der „Welt der Götter“ verkehren. Ursprünglich war dies auch das Vorhaben, die Adler als überlebensgroße Geschöpfe in den Geschichten darzustellen. Tolkien scheint diese Funktion der Greifvögel irgendwann vernachlässigt zu haben. Wolfgang Krege zitiert Tolkien im Handbuch der Weisen von Mittelerde, dass die Adler „ein gefährliches Stück Maschinerie“ geworden sind.

 

Wesen aus göttlichen Sphären

Das liegt daran, weil die Adler als stolze Greifvögel nicht nur etwas Erhabenes an sich haben. Sie strahlen auch einen gewissen göttlichen Glanz aus. Vielfach werden die Riesenadler auch als Manwes Vögel bezeichnet. In der Mythologie Tolkiens verkörpert Manwe eine Art göttlichen Erschaffer unter vielen anderen. Sein besonderer Bezug zu Adlern und Falken macht ihn für diese zu einer göttlichen Vertrauensperson. Tolkien sieht aber in ihnen weitaus mehr: Die Riesenadler sind sterbliche Hüllen der Maiar. Wesen, denen man die Fähigkeiten eines Halbgotts zurechnen kann.

 

Uneingeschränkte Lufthoheit über Mittelerde

Von Manwe werden sie nach Mittelerde entsandt, um den Elben gute Dienste zu leisten und ihnen bei allem beizustehen. Mit den spitzohrigen Waldbewohnern führen die Riesenvögel eine gute Gemeinschaft: Sie bewachen von den höchsten Berggipfeln Mittelerdes die Reiche der Elben und ihrer Verbündeten. Aufgrund ihrer göttlichen Prägung und ihrer absoluten Hoheit über die Lüfte Mittelerdes sind sie die Hüter über alle tierischen Geschöpfe. Laut der deutschen „Ardapedia“ können die Adler „über den Wolken und schneller als der Wind fliegen“. Ihre Horste legen sie nur an den höchsten Stellen Mittelerdes an.

 

Der Adler, ein Geschöpf der Berge

In Tolkiens Erzählungen aber auch in den Verfilmungen von Peter Jackson sind die Adler meist ein Volk, das gerne unter sich bleibt. Zum einen ist es ihr Bewusstsein für eine soziale Hierarchie, die mit Königen, Fürsten und Vasallen den Reichen der Elben und Menschen ähneln. Der andere Grund, warum sie so weltabgewandt leben, schildert „TolkienWelt“: Da sie „stets in den Gipfeln hoher Berge oder Gebirgsketten“ leben, sind „sie sicher vor etwaigen Angriffen von Bodenseite, da diese hohen Gipfel zu Fuß“ von niemanden zu erreichen sind und in ihrer Abgeschirmtheit nicht gestört werden.

Die Beziehung zwischen Gwaihir und Gandalf basiert auf dem Vertrauen, weil beide als Maiar in Mittelerde wirken. Sie sind kundig was sich so alles in Mittelerde abspielt. Hoffmann greift eine Annahme auf, wonach Tolkien die Adler gerne als „Retter in letzter Sekunde“ bezeichnet. Wie Krege spekuliert auch er mit dem Gedanken, dass Tolkien sie ein bisschen zu oft in seinen Werken einsetzt, „wenn der Autor an manchen Stellen keinen anderen Ausweg“ mehr weiß. So verdankt auch Gandalf dem adeligen Adler mehrmals sein Leben. In den Spielfilmen werden auch diese Episoden zwischen dem Zauber und Gwaihir gezeigt.

 

Unerwarteter Helfer und Lebensretter

Immer in einer bedrohlichen Situation greifen Gwaihir und seine Adler ein. Ihr Fluggebiet reicht dabei von den nördlichen Klippen des Nebelgebirges bis an die Vulkanhänge des Schicksalsbergs im Süden. In „Der Hobbit – Ein unerwartete Reise“ flüchten Gandalf, Bilbo und die Zwergenschar auf Bäume, die entlang einer Klippe stehen. Kurz bevor sie dem Gewicht der Truppe nachgeben und in die Tiefe stürzen, retten Gwaihir und seine Artgenossen die in Not geratenen. Als Retter in letzter Sekunde führt Gwaihir 60 Jahre später auch die Suchaktion am Schicksalsberg durch, um Frodo und Sam aus dem quellenden Lavastrom zu retten.

Aber auch als „Fluchthelfer“ kommt Gwaihir zum Einsatz. In „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“ befreit der Adlerfürst Gandalf aus den Händen des verräterischen Saruman. Dieser hält den Grauen auf der höchsten Plattform seines Turms Orthanc fest. Beachtenswert ist hier die Einführung des Riesenadlers. In den Jackson-Verfilmungen kündigt er sich immer durch eine Motte an, die zu Gandalf fliegt und offenbar mit ihm spricht. Diese Form der Kommunikation wird auch in den „Hobbit“-Produktionen immer wieder aufgegriffen und ist ein „gutes Zeichen“ für nahende Rettung.

 

Eine unverzichtbare „Luftwaffe“

Sowohl im letzten Teil der „Herr der Ringe“-Trilogie als auch beim Finale des „Hobbit“-Dreiteilers ist das Einwirken der Adler aus den Bergen besonders eindrucksvoll inszeniert.  In „Schlacht der fünf Heere“ sind es die Greifvögel, die die Lufthoheit über die verwüstete Einöde zurück gewinnen. Gemeinsam mit Elben, Menschen und Zwerge schlagen sie die Ork-Armee und Warg-Horden, als fünftes Heer angemerkt, zurück. Im „Hobbit“-Film nicht mehr sichtbar, leisten die Zwerge des Einsamen Bergs einen Freundschaftsschwur zu den Adlern, die ihnen im Kampf beigestanden haben.

In „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ kommt es zur endgültigen Entscheidungsschlacht am Schwarzen Tor, das Morannon, wo Saurons Streitmacht auf das freie Heer Aragorns prallt. Während am Boden die Schlacht tobt, werden die geflügelten Schlangentiere der Ringgeister, auch Nazgûl genannt, von einem Adler-Geschwader attackiert. Die Feindschaft zwischen den Drachenwesen und Adlern reicht weit zurück. Die goldsüchtigen Geschöpfe sind das Gegenstück zu den freien Greifvögeln. Während es sie tief unter die Berge in die Höhlen reißt, zieht es die Adler über die Berge zu den höchsten Gipfeln. Dort wo nur sie über Mittelerde wachen können.

 

Weiterführende Links

  • Ardapedia – Adler

  • Markus Hoffmann, Die TolkienWelt – Das Volk der Adler

  • IMDb – Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere

  • IMDb – Der Hobbit: Eine unerwartete Reise

  • IMDb – Der Herr der Ringe: Die Gefährten

  • IMDb – Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs

  • Bildquelle – Warner Bros. DVD/Blu-ray „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“

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