Mit „Der Hobbit“ gründet J.R.R. Tolkien einst den Mythos um das sagenumwobene Mittelerde. Im deutschen Raum erlebt das Kinderbuch einen neuen Boom als der WDR ein langes Hörbuch daraus macht. Unter Heinz Dieter Köhlers Regie entsteht so eine der prächtigsten und dichtesten Hörspiele im gesamten DACH-Raum.

 

Vielen Zusehern ist spätestens seit den „Herr der Ringe“-Verfilmungen und mit der „Hobbit“-Trilogie das unscheinbare Wort Mittelerde ein vertrauenserweckender Begriff geworden. Die Hollywood-Produktionen sind nur eines der vielen Medien mit denen der Versuch unternommen wurde, die sagenumwobenen Erzählungen J.R.R. Tolkiens bekannt zu machen. Noch lange vor den Filmen, im Jahre 1980, unternimmt der Westdeutsche Rundfunk (WDR) die Aufgabe, Tolkiens Roman in ein viereinhalb-stündiges Hörbuch umzusetzen. Herausgekommen ist möglicherweise eines der besten Hörspiele im gesamten deutschsprachigen Raum.

 

Nazis gegen den „Der Hobbit“

Etwas verwunderlich dagegen ist die Tatsache, dass „Der Hobbit“ 20 Jahre nach der britischen Erstveröffentlichung mit dem Jahr 1957 erstmals im deutschen Raum publiziert wird. Stephan Askani, Verlagslektor bei Klett-Cotta und Tolkien-Kenner, meint, dass es „am Krieg liegt“, warum „Der Hobbit“ so spät übersetzt wurde. Tolkiens Herausgeber George Allen & Unwin soll bereits 1938 beim Potsdamer Verlag Rütten & Loening für eine deutsche Übersetzung angefragt haben. Laut Askani kommt die Zusammenarbeit deswegen nicht zustande, weil Tolkien die Erbringung eines Arier-Nachweises „sehr entschieden“ ablehnt.

 

Das Abenteuer seines Lebens

© Der Hörverlag

Im Mittelpunkt von „Der Hobbit“ steht der Titelheld Bilbo, der eines Tages Besuch von dem Zauberer Gandalf bekommt sowie von einer Schar 13 Zwergen. Unter der Führung vom Ober-Zwerg Thorin Eichenschild soll es zum Einsamen Berg gehen. Jener Einöde wo der Drache Smaug es sich zu gemütlich gemacht hat. Der Drachenhort war einst ein Zwergen-Königreich und Heimat Thorins und seiner Gefährten. Gemeinsam mit Bilbo will man den Berg von der geflügelten „Echse“ zurückerobern. Doch zunächst muss Gandalf die verzwickte Aufgabe übernehmen, den etwas bequemen Hobbit auf das „Abenteuer seines Lebens“ gefasst zu machen.

Genauso gut wie die Verfilmungen

Hörspiel-Regisseur Heinz Dieter Köhler inszeniert im Auftrag des WDR ein atmosphärisch dichtes Audio-Buch. Köhler macht aus dem, erstmals 1937 publizierten, Kinderbuch Tolkiens eine sagenhaft gelungene Erzählung. Für den richtigen „Ton“ sorgen auch die Schauspieler: Martin Benrath gibt einen engagierten Erzähler, Horst Bollmann gelingt es stimmlich treffsicher Bilbos Emotionen zu vermitteln. Die Gandalf-Rolle übernimmt Bernhard Minetti, der einen alten Gandalf mit jugendlichem Elan darstellt. Ein besonders für junge Zuhörer ideales Hörspiel, die erstmals in die Welt von Mittelerde eintauchen wollen.

Ein Grund warum das Hörspiel noch immer so gut funktioniert, ist möglicherweise die Anwendung der Geräusch- und Musikkulisse. Köhler setzt diese als „Begleitwerk“ sanft und zurückhaltend ein. So bekommt der Hörer die Gelegenheit tatsächlich tief und intensiv in das Mittelerde-Abenteuer einzutauchen. Das funktioniert so gut, dass man gar nicht aus dem Hörspiel „erwachen“ möchte. Für diese Dauer bekommt man beinah ein besseres Hörerlebnis geboten als Hollywoods tricktechnisch überladene „Hobbit“-Trilogie. Zumindest audiomäßig kann man Köhlers deutsches Hörspiel kaum noch überbieten – selbst ein Peter Jackson hat hier das Nachsehen oder besser das „Nachhören“.

 

Die Sehnsucht nach Vertrautem

Doch genau Jacksons opulente „Hobbit“-Filmreihe thematisiert auf seine visuelle Form einen großen Reiz der bekannten Erzählung. Für ihren Verfasser Tolkien geht es darin „um die Heimat der Zwerge“, einer Heimat „aus der sie vertrieben wurden“, so Askani. Der Tolkien-Experte erkennt darin eine Verknüpfung, dass die Rückeroberung des Drachenschatzes zeitgleich „mit der Wiedergewinnung einer Form von Heimat für die Zwerge“ zusammenfällt. Genau dieses Wiedersehen teilt der Titelheld mit den Zwergen, da auch Bilbo von der Sehnsucht angetrieben wird möglichst „eilig“ nach Hause zu finden.

 

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