Im fünften Jahrhundert vor Christus erstreckt sich das persische Reich bis nach Griechenland. Der Comic-Streifen „300“ zeigt in überzeichneter Form Leonidas‘ Widerstand und seiner Hundertschaften. Ein Muster wie man ein gebirgiges Gelände zu seinem eigenen Kampfvorteil einsetzt.   

 

Mit „300“ schafft es Regisseur Zack Snyder dem gleichnamigen Comic von Frank Miller ein gebührendes Filmdenkmal zu setzen. Sowohl der Streifen als auch die graphische Novelle thematisieren die antike Schlacht bei den Thermopylen mit einem durchaus fragwürdigen Pathos und unkritischer Geschichtsauffassung:

Ein paar hundert Spartaner gegen ein angeblich millionenstarkes Perser-Heer. Drei Tage lang liefern sich Griechen und Perser eines der blutigsten Gemetzel in antiker Kriegsgeschichte. Am Ende ereilt den Spartanern der Heldentod. Der „Tatort“ selbst, an einem unbedeutenden Küstenrand der Ägäis, trägt so zu einer Legendenbildung bei, die bis in die Gegenwart reicht.

 

Etwas riecht „faul“ an dieser Gegend

Heute ist der einst heiß umkämpfte Engpass aus der Antike eine breite versandete Stelle. Im Laufe der Jahrhunderte hat das Land dem ägäischen Meer immer mehr Boden abgerungen auf dem jetzt viele Grünflächen und Oliven-Haine heranwachsen. Unweit davon verläuft heute die Autobahn E 75 sowie eine Autostraße, die direkt zu den Thermopylen führt. Ein Geruch von „faulen Eiern“ liegt in der Luft. Es ist das Wasser aus schwefelhaltigen Bergquellen – klar und an die vierzig Grad heiß. Doch dem Mief kann man sich nicht entziehen und es drängt sich die Frage, ob auch die Perser und Spartaner mit diesem Geruch zu kämpfen hatten.

 

Die Thermopylen und ihre geopolitische Lage

In der griechischen Geschichte sind die Thermopylen immer schon Schauplatz militärischer Manöver oder bekannter Schlachten gewesen. Das liegt an ihrer strategischen Bedeutung: Zur Zeit der Perser-Kriege, im Jahre 480 vor Christus, bilden die Thermopylen den einzigen Zugang zur griechischen Halbinsel Peleponnes. Von dort aus kontrollieren, neben Sparta und Athen, noch viele andere griechische Stadtstaaten fast den gesamten Mittelmeerraum. Im Gegenzug zu ihrer strategischen Stellung war der Durchgang durch das Kallidromo-Gebirge, wie der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet, nur knappe 15 Meter breit.

 

Tausend Nationen des persischen Reiches

Als der persische Großkönig Xerxes mit seiner Streitmacht, geschätzte 150.000 Mann bis zu mehr als zwei Millionen Soldaten, die Thermopylen erreicht, misst der Pass an seiner weitesten Stelle 180 Meter. Im Süden grenzt der Übergang an das 1.400 Meter hohe Kallidromo-Gebirge. Dessen höchste Klippen ragen bis zu 90 Metern über die Ägäis hinaus. Heute nimmt an, dass die Thermopylen einst einen natürlichen Engpass zwischen den Norden und Süden Griechenlands und seinen mächtigsten Städten bildeten. Dieser war auch die einzige Passage zwischen Norden und Süden. Für Leonidas, dem König des Stadtstaat Sparta, ein ausreichender Grund in den Norden zu ziehen und dort die Stellung zu halten.

 

Leonidas‘ Gegenmaßnahmen

Um sein Ziel durchzusetzen, verfolgt Leonidas in der Snyder-Verfilmung einen mehrstufigen Plan: Er muss sich die „Bewilligung“ des Orakels einholen, um gegen die Perser zu ziehen. Zudem trägt Leonidas als König und Stratege die Verantwortung, Sparta auf eine Verteidigung einzustellen aber auch sein Heer in Alarmbereitschaft zu setzen. Dafür erkürt er nur die besten Spartiaten, vollwertige Bürger Spartas, aus. Männer, die genügend Kriegserfahrung verfügen und auch die grimmige Kampfmoral mitbringen. Wenn sich all diese Voraussetzungen erfüllen, wird Leonidas‘ selbstmörderisches Vorhaben gelingen, die persische Invasion am Pass abzuwehren.

 

Die korrumpierte Macht des Orakels

Spartas militärische Gesellschaft wurde seit Jahrhunderten durch göttliche Legitimierung gelenkt. Die „Söhne Spartas“ haben sich so als die Nachkommen des Halbgott Herakles gesehen, gesegnet von göttlicher Herkunft. Dieses Selbstbild treibt Snyder in „300“ auf die Spitze, wo sie sich die Soldaten Spartas als „Götter des Krieges“ sehen. Doch auch sie unterliegen der Macht des Orakels, wahrscheinlich von Delphi, und dessen Ephoren: Nur diese „priesterlichen Beamten“ haben die Autorität zu entscheiden, wo und wann Sparta in den Krieg zieht. Der Kletteraufstieg von Leonidas in dem Film verdeutlicht, welche Anstrengung und Mühe es kostet, sich den Beistand der Götter zu holen.

In „300“ zahlt Leonidas die „korrupten“ Ephoren mit Gold aus, damit sie die „Weissagung“ erteilen, Sparta den Kriegsbefehl zu erteilen. So offenbart er ihnen sein Vorhaben, nach Norden zu den Thermopylen zu marschieren, um dort den Vorstoß der Perser aufzuhalten. Dazu zählt, dass die Phoker-Mauer wieder aufgebaut wird, sodass Xerxes‘ Soldaten dem Gebirgspass zum Tor der Heißen Quellen folgen müssen. Doch die Ephoren sind an Leonidas‘ Plänen nicht interessiert: Zum einen, weil die Karneia-Feiern bevorstehen und während dieser heiligen Festtage nicht gekämpft werden darf. Der andere Grund ist, dass die Ephoren im Film von Xerxes‘ Gesandten mit persischem Gold bestochen wurden.

 

Ausstattung und Auswahl

Doch Leonidas lässt sich in seinen Kriegsbestrebungen nicht beirren, sondern rekrutiert 300 seiner besten Männer: Erkennbar sind diese neben Rüstung und Helm vor allem durch ihren langen purpurfarbenen Umhang, der den „Krieger-Status“ ausdrückt. So waren die Spartiaten Leonidas‘ teilweise besser bewaffnet als die einfacher gewappneten Angreifer aus den Heerscharen von Xerxes. Dem spartanischen Gesetz entsprechend, muss sich jeder Spartiat, Vollbürger und Krieger Spartas, die Haare lang wachsen lassen. Die Mähne eines Spartaners sollte auf seine Gegner einschüchternd wirken. Eine Art psychologische Wirkung erzielen, dass man es unbeirrbar mit „Kampfmaschinen“ zu tun habe.

Doch damit allein gibt sich Leonidas nicht zufrieden und führt nochmals eine weitere Musterung durch. Für seinen Stellungskrieg will er nicht nur die besten und mutigsten Soldaten, sondern auch die geeignetsten Krieger für seine Hundertschaften zusammenstellen. So muss jeder der 300 Männer einen männlichen Nachfahren vorweisen, der ihren Namen weiter trägt. Ein weiterer Ausschlussgrund kann sein, wenn einer der Teilnehmer noch nicht das richtige Alter erreicht hat, „um die Wärme einer Frau gespürt zu haben“ wie Leonidas meint – und vor allem müssen sie teamfähig sein, um als geschlossene Einheit auf dem Schlachtfeld zu agieren.

 

Kampftaktik im gebirgigen Gelände

In „300“ treten die Spartaner als Hopliten, schwer bewaffnete Fußsoldaten auf, die sich als geschlossene Kampfeinheit bewegen. Als eine zusammengerückte Phalanx können so die Soldaten gegen feindliche Reihen vorrücken. Der Vorteil dabei sind ihre großen Rundschilder, die nicht den Träger selbst, sondern den Mann zu ihrer Linken schützen sollen – und die mehr als zwei Meter langen Lanzen.

Das montane Schluchtengelände der Thermopylen bietet für die Phalanx der Spartaner eine ideale Abwehrtaktik. Zum einen ist Xerxes‘ Heer gezwungen, sich in einer verschlankten Formation ins Gebirge voranzutasten. Einen weiteren Vorteil findet Leonidas dadurch, dass die Phalanx, wie der griechische Gelehrte Diodor behauptet, wie eine flexible Mauer in der Schlucht stehen kann – insofern ein geeigneter Ort für die taktische Kriegsführung der Griechen.

Auf diese Weise bilden die Beschaffenheit der Schlucht und die Hopliten-Phalanx der Spartaner eine undurchdringbare Barriere. Leonidas‘ Taktik scheint seine Wirkung gezeigt zu haben. Historiker beziffern heute eine Zahl mit 20.000 getöteten Persern innerhalb von drei Tagen, die Leonidas in dieser Kampfstellung erzielte.

 

Ein geheimer Gebirgspass

In den heißen August-Tagen des Jahres 480 vor Christus befiehlt Xerxes den ersten Frontalangriff. Leicht bewaffnete Fußtruppen aus dem Grenzland des heutigen Iran und Irak greifen mehrfach erfolglos die Spartaner an. Xerxes setzt darauf hin seine Unsterblichen auf Leonidas‘ Soldaten an, die ebenfalls zurückgedrängt werden. Durch die vorteilhafte Positionierung und geschützte Flankierung mittels der Schluchten gelingt es den Spartaner ein persisches Eindringen aufzuhalten. Tatsache ist, dass das Ende der Spartiaten durch Verrat besiegelt wird. Die Perser erhalten die Kunde, dass man über einen weiteren Gebirgspass im Kallidromo den Spartanern in den Rücken fallen kann.

Wie Herodot berichtet, soll der Verrat durch einen gewissen Ephialtes begangen worden sein. In „300“ wird er als körperbehinderter Exil-Spartaner dargestellt, der zuvor erfolglos versucht, sich Leonidas‘ Truppe als Krieger anzuschließen. So gibt er sein Wissen um einen geheimen Gebirgspass an die Perser weiter. Herodot berichtet, dass dieser Bergpfad entlang des Fluss Asopos in Mittelgriechenland verläuft. Auf diese Weise sei es für die Perser möglich gewesen, sich im Osten hinter den Thermopylen wieder zu sammeln. Im Film wie auch in der Realität trifft Leonidas eine folgenreiche Entscheidung, die ihn und seinen 300 den sicheren Tod aber „unsterblich“ macht.

 

Bis zum letzten Atemzug

Obwohl Snyders Comic-Verfilmung auch hier wieder abweicht, ähnelt sie den Geschehnissen, die sich tatsächlich so abgespielt haben: Leonidas bleibt mit seinen 300 Spartiaten am Pass damit die Hilfstruppen aus anderen Teilen Griechenlands – geordnet – abziehen können. Die Spartaner haben einen „ehrenhaften Heldentod“ in Aussicht, der bis heute die ewig währende Legende um den Thermopylen-Pass genährt hat. In der Gegenwart ist das „Tor der Heißen Quellen“ zu einem „Erinnerungsort“ antiker Weltgeschichte geworden – dies dank einiger Gebirgsfelsen inmitten von Nirgendwo.

 

Weiterführende Links

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s