Als Jon Snow und die Wildlinge in „Game of Thrones“ in den Süden ziehen wollen, steht ihnen die große Mauer im Weg. Für die Wildlinge ist auch dieses Hindernis bezwingbar – mit dem richtigen Kletter-Werkzeug. Ob auch unter Realbedingungen bleibt fraglich.

 

Mehrere hundert Meter hoch, seit Jahrtausenden tief im Schnee verankert, steht die Mauer aus Fels, Eis und Schnee wie ein Bollwerk gegen alles Bedrohliche aus dem Norden. Die mehr als 400 kilometerlange Festungsanlage ist die Trennlinie zwischen dem Wilden Norden und den Sieben Königslanden. In der TV-Kultserie „Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer“ spielt die Jahrtausende alte Mauer eine wichtige Schlüsselrolle.

 

Eine künstliche Kontinentalsperre

Sie ist die Grenze wo die Welt der Menschen endet und das Reich anderer unvorstellbarer Geschöpfe beginnt. Besonders dramatische Szenen spielen sich an der Mauer ab als Jon Snow mit den Wildlingen das Mauerwerk besteigt. Ausgerüstet mit Seilen, Kletterpickeln sowie Steigeisen wollen Jon und seine Wildlings-Freunde die Mauer erklimmen. Als Späher und stille Vorhut sollen sie auf der Südseite der Mauer die Ankunft einer großen Streitmacht von Wildlingen vorbereiten.

Dabei lässt Jon Snows dürftiges Kletterzeug die Frage offen, ob man tatsächlich mit solchen Gerätschaften einen ganzen Abgrund aus Fels und Eis hochklettern kann. Auch das „Wired“-Magazin widmet sich diesem Rätsel, wie man besten die Mauer besteigen kann. Die künstliche Eisbarriere hat eine Höhe von ungefähr 213 Metern und eine Länge von über 482 Kilometern, die von einem Kontinent-Ende zum anderen reicht.

Für ihre Kletterroute entscheiden sich die Wildlinge unter der Führung von Tormund Riesentod für den Teilabschnitt zwischen den aufgegebenen Burgen Grauwacht und Steintor. Dieses Mauerstück befindet sich östlich der Schwarzen Festung, dem Hauptquartier der Nachtwache. Die fast tausend Mann starke Truppe ist für die Verteidigung der Mauer, im Auftrag der Sieben Königslande, zuständig. Einer von ihnen ist Jon Snow, der jetzt auf der falschen Seite – der Mauer – steht.

 

Einfaches Kletterzeug ausreichend

In Vierer-Gruppen angeschnürt stehen die Wildlinge an der Fußseite der Mauer während über ihnen der riesige Schatten der Mauer fällt. Passend zur Kletterpartie ist auch der Name der Episode aus der dritten „Games of Thrones“-Staffel betitelt: „Der Aufstieg“ zeigt erstmals in der Serie einen Wildlings-Einfall an der Mauer. Tormund nimmt seine Kletterpickel in die Hand und besteigt als Erster die Route.

Ihm folgen seine Mitstreiter Orell und Ygritte sowie Jon Snow als Letzter. Laut Tormund sollte das karge Kletterzeug ausreichend sein, da er die Mauer schon „hundert Mal“ bestiegen hat. Tatsächlich bleibt es fraglich, ob die Pickel, die Steigeisen und die ganzen Seile auch unter realen Bedingungen genügen. Das in der Serie genutzte Klettergerüst hat aber einen realen Ursprung und soll eine Nachbildung von Kletter-Utensilien aus dem 15. Jahrhundert sein.

 

Alle Nachbildungen „mittelalterlich“

Viele der in „Der Aufstieg“ gezeigten Klettergegenstände sollen auch Abbildungen aus dem Alpenraum beherbergen. Gebrauchsmittel, die alpine Hirten früher beim Aufstieg mit ihren Tierherden nutzten. Dabei sollen sie recht erfindungsreich gewesen sein: So verarbeiteten sie Nägel von Pferdehufen unter ihren Schuhen, um einen festen Tritt im unwegsamen Gelände zu finden. Die Kletterpickel, die Tormund und seine Gefährten nutzen, haben keinen realen Ursprung.

Vielmehr entstammen sie der Phantasie der Requisiteure, die an der Serie mitgewirkt haben. Was aber damals, besonders im Alpenraum, vorwiegend genutzt wurde, ist derAlpenstock. Ein langer hölzerner Stab mit einen spitzen Nagel, der in die Zeit des späten Mittelalters sowie der frühen Neuzeit datiert wird. Doch auch die Seile, die in der Serie zur Schau gestellt werden, wirken attrappenhaft und unnatürlich.

 

Kletterunglück hölzern inszeniert

Wie erwartet, müssen Jon Snow, Tormund und die anderen, auch eine besonders heikle Klettersituation überstehen auch wenn sie bei näherer Betrachtung unwahrscheinlich wirkt. Als Ygritte mit ihrem Kletterpickel eine falsche Felsstelle trifft, löst sie nichtsahnend einen Hangabsturz aus Fels und Schnee aus, die andere Klettergruppen in den Tod reißt. Doch auch ihr und Jon Snow wird der Boden unter den Füßen weggezogen – sie hangeln an einem langen Seil hinunter.

Um sich und Tormund vor dem „Ballast“ zu befreien, schneidet Orell rasch das Seil ab doch Jon Snow gelingt es gerade noch im letzten Moment sich mit seinem Pickel an einer Felsstelle einzuhacken und Ygritte hochzuziehen. Die Art und Weise wie das Seil gerade in diesen Szenen eingesetzt und genutzt wird, wirkt zu statisch, sodass der Verdacht aufkommt als würde die Stricke gleich reißen.

 

Eisklettern laut Serie „gefährlich“

Bei näherer Betrachtung der Hangabsturz-Szene muss man sich fragen, wie realistisch diese dargestellt wird. Als Ygritte mit ihrem Pickel in den schneebedeckten Felsen rein piekt, verursacht sie einen Riss, der sich über den ganzen Hang fortzieht und andere Kletterer in den Tod reißt. Die computergenerierten Szenen wirken selbst für eine gut budgetierte Sendung wie „Thrones“ plump und anspruchslos.

Einerseits weil dieser „Unfall“ dramaturgisch so hölzern eingeführt wird, dass gleich der Eindruck entsteht, die Szene ist zu theatralisch. Andererseits sind es die ganzen Spezialeffekte, die den Eindruck rauben, dass ganze Felswände so verheerend abstürzen können. Laut „Wired“ ist es unwahrscheinlich, dass Eishänge durch solche Risse sofort auseinanderbrechen. Das Eisklettern wäre dann eine zu gefährliche Sportart, um sie unter normalen Realbedingungen fortzuführen.

 

Statik der Seile unreal dargestellt

Gerade in dem Moment wo der Felshang durch den Riss einbricht, fallen Jon und Ygritte einige Meter tiefer bevor das Seil ihren Sturz abrupt auffängt. Unter realen Bedingungen müssten die Stricke reißen, weil der schlagartige Abbruch des Falls, das Seil zum Abriss bringen dürfte. Die statischen Bedingungen des Seils hängen aber auch davon ab, ob die Leine gänzlich in einem Ruck aufreißt oder indem die einzelnen Seilfäden unter längerer Belastungen nacheinander aufgehen.

Fragwürdig wirkt auch die darauffolgende „Seilschneide“-Szene, in der Orell versucht sich und Tormund, von Ygrittes und Jons Ballast zu befreien. In dieser Szene ist das Seil durch das Gewicht, so stark gestrafft, dass es eigentlich fast von selber abreißen müsste – man müsste es nur noch anfassen. Orell gelingt dies in der Serie erst nach mehreren Anschnittversuchen, die er etwas hektisch und ungeschickt ansetzt.

 

Rissige Szene hinterlässt Eindruck

Was die ganze Szene noch unglaubwürdiger macht, ist auch der Einsatz der Kletterhaken, die in Serie gezeigt und eingesetzt werden. Diese könnten laut „Wired“ Nachbildungen mittelalterlicher Karabiner sein und müssten ein Vielfaches von Jons Gewicht auffangen damit sie nicht aus der Mauer herausgerissen werden. Der Ruck, der durch den Hangabsturz entsteht, müsste real nicht nur Jon und Ygritte in den Tod ziehen, sondern tatsächlich auch Orell und Tormund.

In der Serie verschwindet dieser fortlaufende Ruck plötzlich direkt über Jon – Orell ist gar nicht mehr davon betroffen. Bevor es Orell gelingt das Seil unter sich zu kappen, gelingt es Jon mit seinem Kletterpickel in die Mauer einzuschlagen und so sich und die haltlose Ygritte zu retten. Obwohl die gesamte Kletterpartie unreal und strittig wirkt, hinterlässt sie am Ende einen bleibenden Eindruck wie man die Mauer unversehrt besteigt.

 

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