Steffen Kopetzky liefert mit „Risiko“ einen alternativen Blick auf die geschichtlichen Ereignisse des Ersten Weltkriegs. Im Mittelpunkt steht die deutsche Niedermayer-Hentig-Expedition, die einen jungen Marinefunker bis in die höchsten Gebirgsregionen Afghanistans führt.

 

Mit den Worten „Möge unsere Freundschaft blühen und gedeihen“ beendet Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier seine Rede zum hundertsten Jubiläum der deutsch-afghanischen Freundschaft in Kabul. Die offizielle Zeremonie, die in der afghanischen Hauptstadt Ende August 2015 begangen wurde, gründet sich auf eine historisch waghalsige Unternehmung. In der Anfangshälfte des Ersten Weltkriegs kommt es nämlich zum Aufeinandertreffen zwischen den Emir von Afghanistan und einer deutschen Gesandtschaft mit einem zweifelhaften Auftrag. Konkret geht es um die NiedermayerHentig-Expedition von 1914/1915, die in Steffen Kopetzkys neuen Roman „Risiko“ thematisiert wird.

 

Den Krieg zieht es in die Ferne

Irgendwo zwischen „Lawrence von Arabien“ und „Der Mann, der König sein wollte“ kann man Kopetzkys aktuelles Werk einordnen. Der deutsche Autor greift in seiner Erzählung eine richtige Abenteuer-Geschichte auf, die mehr oder weniger auf wahren Begebenheiten beruht. Kopetzkys Verlag bewirbt den Roman mit dem Versprechen, die Weltgeschichte ändern zu wollen. So liefert der Autor mit „Risiko“ eine Alternativ-Weltgeschichte, die sich während des Kriegs auf einem Nebenschauplatz abspielt. Dabei schafft Kopetzky einen Themenbezug, der noch heute so brisant ist wie das globale Massenschlachten vor hundert Jahren.

 

Ein Spiel der Großmächte

Ort der Haupthandlung ist Zentralasien in den Bergen Afghanistans: Mitten in den Wirren des Ersten Weltkriegs verschlägt es den jungen Marine-Funker Sebastian Stichnote dorthin. Als Mitglied einer geheimen kaiserlichen Reichs-Expedition ist er auf der Suche nach dem afghanischen Emir Habibullah. Die Deutschen wollen diesen Fürsten und seine Paschtunen auf ihre Seite ziehen und gegen die Briten agitieren, die von Indien aus den Hindukusch kontrollieren: So soll der Emir einen Dschihad(Heiligen Krieg) gegen die englischen Besatzer heraufbeschwören um die Kriegschancen der Deutschen zu verbessern. Ob dies gelingt, weiß man bereits.

Doch hier fügt Kopetzky den Alternativverlauf der Geschichte ein, indem er diesen nicht 1918, sondern gleich 1916 beendet. Die Suche nach einem Ende, nach einer Lösung aus der Misere in dem Roman verdeutlicht die Probleme der Gegenwart. Ihr Ursprung, das Wettrennen der Kolonialmächte, die globale Ausbeutung und Ausschöpfung an fremden Ressourcen und Menschen werden einzig und allein dem Kriegsvorteil der Großmächte untergeordnet. Das „Ende“ verdeutlicht wieder einmal die „Dämonen“ der Vergangenheit, die heute die westlichen Industrienationen heimsuchen.

 

Zeitlich den Ton getroffen

© Klett-Cotta

Auf mehr als 700 Seiten schildert Kopetzky Stichnotes abenteuerliche Reise durch Zentralasien bis in die Täler des fernen Hindukuschs. Innerhalb der deutschen Literatur-Landschaft hat sich „Risiko“ das Prädikat als „großes Werk“ erringt. Viele Leser meinen darin einen aufgeklärten Karl May-Bezug zu finden, der in „Risiko“ einem zeitgenössischen Tempo folgt. Neben der Reisehandlung beinhaltet das Buch auch Themen wie neue Formen der Energiegewinnung sowie die aufkommende Technologisierung der Gesellschaft und ihre optimistische Haltung dazu in der ersten Kriegsphase.

 

Der Mensch, ein unruhendes Wesen

Ein besonderes Merkmal Kopetzkys Bücher sind die reisenden Figuren, die ihre Lebenssituation in einem mobilen Zustand durchleben. Dieses „Unterwegs-Sein“ beschreibt der ehemalige Leiter der Bonner Biennale als eine „Reduzierung des Lebens auf das Gepäck“. Hier wird sich der Mensch seiner eigenen Präsenz bewusst. Möglicherweise mit ein Grund, warum Kopetzky der Neigung folgt für jedes Buchprojekt einen neuen Verlag aufzusuchen. Wie seine reiselustigen Figuren sind es auch die Menschen sowie Ansprechpersonen in den Verlagshäusern, die für die Abwechslung und den Schwung sorgen.

 

Weiterführende Links

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s