Alfred Hitchcocks zweiter Spielfilm wirft filmhistorisch viele Fragen auf. Der in Tirol gedrehte Streifen gilt als verschollen und wird weltweit fieberhaft gesucht. Hitchcock scheint er nicht abgegangen zu sein, weil er „The Mountain Eagle“ einfach „schlecht“ fand.

 

Wenn es irgendwo auf der Welt einen Film gibt, der eines der größten Mysterien der Filmgeschichte beherbergt, dann ist es „The Mountain Eagle“ („Der Bergadler“). Die zweite Regiearbeit von Alfred Hitchcock, die 1925 in Tirols Bergen gedreht wurde, gilt als verschollen. Laut dem British Film Institute zählt das Werk zum „most wanted of the most wanted films“. Hitchock selbst bezeichnet sein Frühwerk, in seinen berühmten Truffaut-Interviews, als „einen schlechten Film“, da er nicht die vollständige und kreative Kontrolle über das Projekt hatte und die Produktionsbedingung alles andere als einfach waren.

 

Ein junges Genie unter Zeitdruck

Den Zuschlag für die Regie hatte Hitchcock durch seinen Förderer und Produzenten Michael Balcon erhalten. Dieser brachte einen Produktionsdeal über fünf Spielfilme mit der deutschen Emelka, heute Bavaria Film, zum Abschluss und war seitdem eifrig auf der Suche nach einem dynamischen Regietalent, das die ihm aufgetragene Aufgabe übernehmen konnte. In Hitchcock schien Balcon die richtige Person gefunden zu haben – auch wenn dieser vor kurzem als Regieassistent gefeuert worden war. Mit Hitchcocks Spielfilmdebüt „The Pleasure Garden“ entstand 1925 die erste Gainsborough-Emelka-Produktion.

Von der Londoner Kritik wurde Hitchcock schon damals als „young man with a master mind“ angepriesen. Balcon hatte sich mit seinen deutschen Partnern darauf geeignet auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Dafür ließ er für die nächste Produktion, wieder mit Hitchcock auf dem Regiestuhl, eiligst ein Exposé entwickeln mit dem anklingenden Titel „Fear O‘ God“, angelehnt an den Spitznamen der männlichen Hauptrolle John Fear O‘ God Fulton. Die Ankündigung wurde im Oktober 1925 als zweiter Gainsborough-Emelka-Film angekündigt und Hitchcock unter Zeitdruck gesetzt.

 

Exzellente Kamera an perfekter Location

Neben einer langwierigen Location-Suche musste er sich mit Nita Naldi, einer Stummfilm-Aktrice, zufrieden geben deren erstes Erscheinungsbild ihm offenbar „lächerlich“ erschien. Aber auch mit dem Plot selbst scheint Hitchcock seine Probleme gehabt zu haben. Ursprünglich sollte die Geschichte im Hügelland des östlichen US-Bundesstaats Kentucky spielen. Durch einen Zufall in einem Fotoladen entdeckt Hitchcock eine Postansichts-Karte mit der „perfekten Location“. Auf die Frage, wo der Ort liege und wie die Gegend heiße, bekommt er „Obergurgl in Tirol“ zu hören.

Hitchcock lässt das Skript „regionalisieren“, hat aber keine Scheu die Tiroler Bergwelt weiterhin als US-Hügelland zu bezeichnen. So wird auch der Filmtitel in „The Mountain Eagle“ umbenannt. Die Ankunft im Ötztal und der Aufstieg nach Obergurgl stellen eine erste große Herausforderung für Hitchcock und sein Drehteam dar. Die britischen Filmemacher werden innerhalb von Tagen vom Wetterumbruch überrascht, sodass die nächsten Drehs an einem Ersatzort fortgeführt werden müssen. Man wird im nahgelegenen Umhausen der Ötztaler Alpen fündig.

 

Der „Adler“ hebt nicht so richtig ab

Im November 1925 kann Hitchcock die mehrwöchigen Dreharbeiten in Österreich beenden und in die Emelka-Studios für weitere Innenaufnahmen nach München weiterziehen. Nach dem Schnitt und der Fertigstellung des Films werden ab Mai 1926 die ersten Testvorführungen gezeigt, wie in Berlin. Im Mai 1927 feiert der Film seine Uraufführung und wird für seine „exzellente Kamera“ gelobt, jedoch für seine „nicht ganz so überzeugende Geschichte“ bemängelt. Vielleicht mit ein Grund, warum Hitchcock später bei seinen Filmen immer auf eine literarische Vorlage vertraut. Kurz nach der Premiere verschwindet der „Adler“ aus den Kinos.

 

Utensilien bezeugen Produktion

Seitdem gilt das Hitchcock-Frühwerk als verschollen und wird lediglich durch einige Standfotos bezeugt. Entweder Szenen aus dem Film oder Making Of-Fotos, die Hitchcock und seine Crew bei den Drehs in den Tiroler Bergen zeigen. Einige dieser Bilder wurden für Truffauts Hitchcock-Buch reproduziert. 2012 wurde man zudem auf eine Collage von 24 Bildern aus dem Film fündig, die offenbar einem engen Freund Hitchocks gehört haben. Unter den gefunden Utensilien fand man auch einige Notizbücher Hitchocks, die seine Reise nach Obergurgl auf abenteuerliche Weise schildern. Mit dem Zug, Pferd oder mit einem Karren aber auch zu Fuß soll so der junge Hitchcock in die Berge Tirols gefunden haben.

 

Weiterführende Links

  • Wikipedia – Der Bergadler

  • Homepage – British Film Institute (engl.)

  • Bildquelle – Courtesy of the Academy of Motion Picture Arts and Sciences

  • IMDb – Der Bergadler

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s