Im Herbst 218 vor Christus überschreitet Hannibal mit zig Elefanten die schneebedeckten Alpen. Für seinen Tross aus Mensch und Tieren greift der karthagische General auf spezielle Elefanten zurück, die nicht nur dem alpinen Klima trotzen können, sondern auch klettern.

 

Die Alpen-Überquerung des karthagischen Feldherrn Hannibal Barkas zählt bis heute zu den größten Erfolgen antiker Militärgeschichte und -propaganda. Für großes Aufsehen sorgen dabei Hannibals Kriegselefanten, die das Rückgrat der karthagischen Kriegsmaschinerie darstellen und sich ihren Weg durch Mitteleuropa bis nach Norditalien erkämpfen – ein Pfad, der sich auf den ersten Blick verwegen und verrückt anhört.

Historischen Schätzungen zufolge sollen es 34 Dickhäuter gewesen sein doch die meisten Quellen sprechen von 37 Elefanten. Allgemein hält sich aber die These, dass es nicht mehr als 40 Tiere gewesen sein müssen. Tierforscher aber auch Historiker gehen bis heute der Frage nach, wie sich Hannibals Elefanten an das raue Gebirgsklima der Alpen anpassten. Die afrikanischen Steppenbewohner mussten eisige Gebirgspässe und fast 2.000 Meter hohe Berge überwinden.

 

Eine unbesiegbare Kriegswaffe

In der vorchristlichen Militärgeschichte waren Kriegselefanten so was wie der moderne Panzer unserer Zeit. Eine „Standardwaffe“, beispielsweise in Indien, Persien aber auch im alten Ägypten. Ihren berühmtesten Auftritt erhielten die Kriegselefanten, Dank Hannibal im Zweiten Punischen Krieg, 218 bis 201 vor Christi, gegen das erstarkende Rom.

Im heutigen Tunesien, wo das frühere Karthago stand, werden noch immer die legendären Kriegselefanten Hannibals besungen und geehrt, die den römischen Legionen das Fürchten lehrten.

© Joerg Altekruse/Zeitfilm Media GmbH

Die kriegspsychologische Wirkung der vierbeinigen Riesen war auf karthagischer Seite ein voller Erfolg und stellte ein großes militärisches und politisches Problem für Rom dar. In den Herbstmonaten des Jahres 218 vor Christus konnte Hannibal mit seinen Elefanten fast jedes römische Heer vernichten und so die Propaganda um seine unbesiegbaren Elefanten bewahren.

 

Mythologische Kriegspropaganda

Der Keim dieser Legendenbildung steckt aber bereits in der Alpen-Überquerung Hannibals. In der Dokumentation „Hannibals Elefanten“ aus dem Jahr 2006 zeigt der Filmschaffende Jörg Altekruse eine Rekonstruktion der historischen Gebirgswanderung. Laut Altekruses Doku soll die Legendenmär um unbesiegbare Kriegselefanten von Hannibal selbst gesät worden sein. Ein großer Teil dieser „Kriegspropaganda“ stützt sich auf eine bekannte Herkules-Sage.

In dieser jagt der unbezwingbare Halbgott eine ganze Herde wilder Stiere über die Alpen. Offenbar muss diese Geschichte Hannibal sehr angesprochen haben. Der junge Heerführer plant diese Leistung eines Halbgottes zu übertreffen – mit Elefanten! Dieser ausgeklügelte Marketing-Trick zeigte seine Wirkung, indem Hannibal den Mythos eines unvergleichlichen Heros beinah verblassen lässt – sich seinen Platz in der Menschheitsgeschichte sichert.

 

Verschiedene Elefanten-Gattungen

Den Erfolg, den Hannibal mit seinen Elefanten vollbringt, begründet sich aber auch in der Auswahl der Tiere. Nach allgemeiner Auffassung geht man heute davon aus, dass es nordafrikanische Elefanten gewesen sein müssen. Zum einen der Loxodonta africana pharaoensis, eine Subspezies des nordafrikanischen Elefanten, die heute als ausgestorben gilt sowie der Loxodonta cyclotis, der als Waldelefant geläufig ist.

Andererseits ist bekannt, dass Hannibal ebenso indische Elefanten mit sich führte. Sein persönliches Reittier, genannt Surus, der Syrer, soll indischer Herkunft gewesen sein. Der römische Politiker Cato – der Ältere, ein vehementer Gegner Karthagos, soll das Tier als Hannibals „besten und größten“ Elefanten bezeichnet haben. Die große Masse, die der karthagische Heerführer mit sich führte, sollen Waldelefanten gewesen sein.

 

Der Waldelefant als Gebirgspezialist

Dieser Elefanten-Typus war zum einen leichter zu zähmen als seine größeren afrikanischen Vertreter, zum anderen aber auch preiswerter als importierte Elefanten aus Indien. Die Anerkennung des Waldelefanten als eigene Unterart erfolgte erst vor wenigen Jahren zu derer Charakteristik runde Ohren zählen. Dieses Merkmal unterscheidet sie auf den ersten Blick von ihren größeren Vertretern.

Der Waldelefant kann eine Schulterhöhe von fast zweieinhalb Metern erreichen sowie ein Gesamtgewicht von bis zu drei Tonnen auf die Waage bringen. Sein Verbreitungsgebiet ist das heutige Zentral- und Westafrika. Die klimatischen Bedingungen denen sich Hannibals Elefanten in den Alpen stellen mussten, dürften verheerend gewesen sein. Altekruses Doku geht auch dieser Frage nach, wie das überhaupt mit dem Stoffwechsel der tropischen Dickhäuter funktionierte.

 

Gedrillte, kampferprobte Dickhäuter

Für seine filmische Nachstellung hat Altekruse den Zirkusdirektor und Elefanten-Trainer Wendell Huber engagiert, der mit zwei Elefanten beinah dasselbe Wagnis eingeht wie Hannibal. Die dünne Höhenluft sowie die kalten Temperaturen in den Alpen müssen ihren Tribut gefordert haben, vor allem in der Nacht unter dem Gefrierpunkt. Huber ist der Meinung, dass die Tiere für diesen Gebirgsmarsch trainiert wurden, weil Elefanten gerne „Hindernissen“ aus dem Weg gehen.

© Hans Hausmann/Zeitfilm Media GmbH

Wie weit die Dickhäuter tatsächlich dafür gedrillt wurden, bleibt fraglich. Um dieses Training müssen sich die Elefanten-Experten und -Kenner Karthagos gekümmert haben. Viele dieser Reiter kamen aus dem heutigen Indien, Ägypten oder Sudan, somit anzunehmen, dass diese samt Tier dazu „gekauft“ wurden. Ihre Kenntnisse könnten dafür gesorgt haben, dass die meisten Dickhäuter den alpinen Gebirgszug überlebten.

 

Der Elefantenreiter und sein Tier

Als Hannibal in Norditalien einfällt, befinden sich die Tiere in einem bedauerlichen Zustand aber dennoch kampfbereit. Dass so viele Elefanten trotzdem die Alpen-Durchquerung überlebten, lag auch daran, welche Tiere für den wochenlangen Gebirgsmarsch ausgewählt wurden. Hierbei wurden vor allem männliche Tiere ausgesucht, die in der Schlacht besonders mit ihrem imposanten Anblick und ungewöhnlichen Geruch, Angst und Schrecken verbreiten sollten.

Ihre beste Wirkung konnten die karthagischen Waldelefanten sprichwörtlich als „Stoßkräfte“ zeigen, indem sie von ihrem Reiter auf Ansturm und Nahkampf gedrillt wurden. Das Vertrauensverhältnis zwischen Reiter und Tier muss demnach eine wesentliche Rolle gespielt haben, da die Dickhäuter immer wieder motiviert und gesteuert werden mussten, speziell im undurchschaubaren Schlachtengetümmel.

 

Kampfvorteil nicht immer gegeben

Gerade diese und andere Schwächen können auch der Grund gewesen sein, warum Hannibals „Geheimwaffe“ eher eine psychologische als militärische Wirkung hatte. Neben der Standfestigkeit im alpinen Gelände mussten die Tiere über den langen Gebirgsmarsch auch versorgt werden. Die tägliche Futterration eines Elefanten beträgt 80 Kilogramm, gerade so viel wie ein Ochse tragen kann. Darüber hinaus erzielten die Dickhäuter nicht immer ihre berechnende Wirkung.

Denn feindliche Heere konnten die Tiere mit Lärm und Feuer rasch einschüchtern und vertreiben. Durch die schwere Bewaffnung auf dem Rücken aber auch „Gepäck“, ob Reiter oder Speer- und Bogenschützen, konnten die Elefanten auch rasch ermüden und wurden somit zu einem leichten Ziel für die Gegner. Möglicherweise mit ein Grund warum Hannibals Kalkül nicht ganz aufging als er in Italien schließlich alle Elefanten verlor.

 

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