Das Sci-Fi-Werk zählt zu den umstrittensten Streifen der letzten Jahre. Der Film mit Will und Jaden Smith soll offenbar für die US-Sekte Scientology werben. Eine besondere Rolle nimmt dabei ein brodelnder Vulkan in den Film ein, der für Scientologen eine spezielle Bedeutung hat.

 

In vielen filmischen Erzählungen spielen Berge bekanntlich eine besondere Rolle. Dabei üben die Höhenzüge immer wieder eine Faszination auf Geschichtenerzähler und Filmemacher aus. Der US-Film „After Earth“ aus dem Jahr 2013 thematisiert einen solchen Berg, speziell einen feuerspeienden Vulkan. In dem Streifen erzeugt dieser ein rein dramatisches Landschaftsbild aber offenbar nicht nur das: Ebenso soll genau dieser Vulkan auch inhaltlich eine Funktion erfüllen, die vielen Zusehern „verborgen“ bleibt. Daher ist der Film mit Will Smith wegen seiner vielseitigen Deutungsmöglichkeiten auch sehr umstritten.

 

Der Höhepunkt eines Survival-Trips

Der postapokalyptische Streifen mit Will Smith-Filius Jaden Smith in der Hauptrolle soll Themen der US-Sekte Scientology beinhalten. Im Internet, speziell auf vielen verschiedenen Film-Websites, die eine Rezension über „After Earth“ verfasst haben, findet man genug Material dazu. Fast jede Filmkritik muss sich mit der Frage zwangsläufig auseinandersetzen, ob der Streifen für Scientology wirbt oder nicht. Der Vulkan-Berg, der gegen Ende des Films zu sehen ist, bildet für die handelnde Figur Kitai, Jaden Smith, den Abschluss und Höhepunkt eines langen Survival-Trips.

 

Brandgefährlichster Ort in „After Earth“

Die Vulkan-Szenen zum Film wurden in der Nähe des Arenals gedreht, der sich im Arenal Volcano National Park in Costa Rica befindet. Ein Produktionseinblick gibt einen Eindruck von den tropischen Filmarbeiten im mittelamerikanischen Land: Für Will Smith ist es die unberührte Natur Costa Ricas, die dem Film seine Größe und seinen Umfang verleiht. Bei den Drehs zeigt sich Smith überzeugt, dass die Naturkulisse das Zusammenspiel zwischen dem Filmcharakter und der Landschaft vertieft. Weniger zuversichtlich ist hingegen Jaden Smith, der zugibt beim Dreh direkt am Fuße eines „aktiven“ Vulkans ein mulmiges Gefühl zu haben. Sorgen bereiten ihm auch die Schlangen, Amphibien sowie Insekten am Filmset.

Der Arenal mit einer Höhe von mehr 1.670 Metern zählt zu den aktivsten und jüngsten Vulkanen der Erde. Vor der Erstbesteigung im Jahr 1937 war man der Auffassung, dass der Arenal ein normaler Berg sei, weil sein Kegel zu dieser Zeit mit Pflanzen überwachsen war. Seit seinem letzten Ausbruch am 29. Juli 1968 bei dem mehr als 80 Menschen ums Leben kamen, wurde der Vulkan als aktiv eingestuft und entflammte noch bis Oktober 2010 immer wieder Lava-Ströme.

 

Eine Vater-Sohn-Geschichte

Regisseur M. Night Shyamalan, der einst mit „The Sixth Sense“ seinen durchschlagendsten Erfolg feierte, erzählt mit „After Earth“ eine brüchige Vater-Sohn-Beziehung: Als Kleinkind musste Kitai, den Tod seiner älteren Schwester miterleben, den er nicht verhindern konnte. Dafür wird er von seinem Vater und Ranger-General Cypher, gespielt von Will Smith, noch heute verantwortlich gemacht. Was zusätzlich zur Entfremdung von Vater und Sohn beiträgt, ist die lange Abwesenheit Cyphers als er aus einem interplanetarischen Kampfeinsatz nach Nova Prime zurückkehrt und als Ghosting-Legende bezeichnet wird.

Doch den General, Ehemann und Familienvater hält es nicht lange Zuhause. Zum einen, weil er sich bei seiner Familie nicht richtig „angekommen“ fühlt, zum anderen, da ihn schon der nächste Einsatz reizt. Für eine Trainingsmission soll es auf die Erde gehen, die von der Menschheit vor tausend Jahren verlassen wurde – und Nova Prime zur neuen Heimat machte. Auch Sohnemann Kitai hat als „Anwärter“ an den Einsatz teilzunehmen. Auf dem interstellaren Flug gerät das Raumschiff beim Eintritt in die Erdatmosphäre in heftige Turbulenzen und macht irgendwo auf den „blauen Planeten“ eine Bruchlandung.

 

Immer nah und doch so fern

Mit dieser Ausgangssituation legt Shyamalan bereits den Grundstein für Kitais filmische Survival-Mission. Initiiert wird sein Aufbruch durch zwei Ereignisse: Cypher bricht sich bei der unsanften Landung das Bein und ist nicht mehr gehfähig. Der andere Grund betrifft die Sendung eines Notsignals, das allerdings in einem Trümmerteil hundert Kilometer entfernt ausgemacht wird. Um sich und seinen schwerverletzten Vater zu retten, muss Kitai alleine diese „Herausforderung“ annehmen um ein intaktes Notsignal ins All zu versenden. Dabei hält er immer Kontakt zu seinem Vater, der ihn per Funk und mobiler Kamera überwacht und steuert.

 

Das Geschäft mit der Angst

Kritiker des Films orten gerade in Themen wie Überwachung und Steuerung aber auch in dem überbordenden Begriffen wie Survival oder Ghosting mögliche Tendenzen auf Scientology-Botschaften. Den visuell einprägsamsten Eindruck nimmt jedoch der Vulkan ein, den Kitai nach vielen Prüfungen und Entbehrungen schließlich erreicht. Auf den mit Asche und Staub verhüllten Vulkan-Gipfel sendet er schließlich das Notsignal ins All. Kitais letzte große Prüfung besteht aber in der Bezwingung eines Ursas. Dieses außerirdische Wesen kann menschliche Angst-Pheromone riechen und so die jeweilige Person aufspüren.

Auch dieser Bezug zur menschlichen Angst ist nicht nur im Film ein Thema von „After Earth“. Für Scientology ist es sogar ein essentielles Problem mit dem sich die gesamte Menschheit auseinandersetzen muss. Die Sekte von Lafayette Ronald Hubbard, kurz L. Ron Hubbard, meint genau dafür Lösungen parat zu haben – davon sind zumindest Hubbards Jünger überzeugt. Etwas plakativer greifen auch die Marketing-Leute des Films auf diesen Gedanken zurück: „Danger is real – Fear is a choice“ oder zu Deutsch „Gefahr ist real – Angst ist eine Entscheidung“ verdeutlicht dieses Thema mit der menschlichen Angst.

 

Bevölkerungsexplosion anderer Art

Doch mit der explosiven Symbolkraft eines Vulkans kann der flache Marketing-Slogan von Sony Pictures nicht mithalten. Denn wer wirklich Scientology verstehen möchte, muss erst die Bedeutung des Vulkans begreifen. So ist es ist kein Zufall, dass auf den Dianetik-Büchern Hubbards ein flammender und lavaquellender Berg zu sehen ist. In dem mythologischen „Glauben“ der Sekte nimmt der Vulkan eine zerstörerische Kraft aus dem Erdinneren ein. Er erinnert Scientologen jedoch an ein „außerirdisches Verbrechen“, das vor etwa 75 Millionen Jahren begangen wurde. Damals soll die Erde, Teegeeack genannt, einer richtigen „galaktischen Föderation“ angehört haben.

Diesem interplanetarischen Bund schlossen sich mehr als 70 Planeten an. Jede – einzelne – dieser Welten soll durchschnittlich von 176 Milliarden Menschen überbevölkert gewesen sein. Der Herrscher dieser Föderation hieß Xenu, von Hubbard auch Xemu genannt, und hatte das Thema Bevölkerungsexplosion ganz oben auf seiner Agenda stehen. Um dieses Problem zu lösen, ließ er zig Milliarden außerirdischer Menschen einfrieren, um sie mit „Flugzeugen“ auf die Erde zu verfrachten. Innerhalb der Föderation hatte Teegeeack den Status eines „Gefängnis-Planeten“.

Auf der damals von Dinosauriern beherrschten Erde, lässt Xenu die Eingefrorenen um einige Vulkane positionieren. Nachdem die Körper an den Berghängen abgelegt wurden, erteilt Xenu die Order, die Vulkane durch Wasserstoff-Bomben zu sprengen. Die Seelen der Umgekommenen, von Scientologen auch Thetane genannt, wurden wieder „eingefangen“ und „cineastisch“ verdorben. Später bemächtigten sich diese Thetane der Körper von wenigen Überlebenden, deren Nachfahren, also die heutige Menschheit laut Scientologen, „therapiert“ werden muss.

 

Eine Erde in der Zukunft

In „After Earth“ erfolgt Kitais „Therapie“ durch seinen Gipfelsturm auf den Vulkan, um „Erlösung und Rettung“ zu finden. Der flammende Berg wie auf Hubbards Dianetik-Büchern symbolisch abgebildet, soll jeden Scientologen auch daran erinnern, welche Mission dieser auf Teegeeack oder auf Erden hat. Nämlich zu einen Operierenden Thetan heranzureifen um Xenus Untaten wieder „auszugleichen“. Der Übeltäter selbst soll für dieses Verbrechen später von dem Föderationsrat auch verurteilt worden sein. Laut Auffassung von Scientology soll sich Xenus „elektrisches“ Gefängnis entweder in den heutigen Pyrenäen oder in den Rocky Mountains befinden.

 

Xenus irdische „Brandherde“

Auf Wikipedia findet man Angaben, wo genau Xenu die Wasserstoff-Bomben gezündet haben soll. So will Hubbard unter Rücksicht der damaligen Kontinentalverschiebung vor Jahrmillionen eine ganze Reihe von Vulkanen aufgelistet haben. Darunter den Krakatau auf Indonesien, den Kilimandscharo in Afrika oder die beiden Mount Hood und Mount Shasta in den USA. In den siebziger Jahren versuchte Hubbard erfolglos seine Xenu-Geschichte unter den Titel Revolt in the Stars auch an Hollywood zu verkaufen. Wie in „After Earth“ wird auch in dieser Handlung die Erde zu einem unwirtlichen Planeten für den Menschen.

 

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