Von einer Krise soll keine Rede sein. Dennoch wird der Besucherrückgang an Bollywood-Filmteams und -Filmtouristen in der Schweiz mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Aashish Singh, ein indischer Filmproduzent, kennt auch die wirtschaftlichen Gründe dafür.

 

Bereits seit einigen Jahren ist ein Abflauen der Produktionstätigkeit indischer Filmteams spürbar. Laut einem Bericht der „Schweizer Handelszeitung“ aus dem Jahr 2013 verlieren die Schweizer Alpen immer mehr an Attraktivität für das Bollywood-Publikum. Viele indische Filmschaffende und Kenner des Bollywood-Kinos sehen in dem Interessensverlust eine Sättigung. Die heutigen Liebhaber des populären indischen Kinos sollen sich an den Alpen-Panoramen satt gesehen haben. Gründe gibt es dafür viele – auch seitens der Filmschaffenden.

 

Steigende Kosten, kleinere Benefits

Singh, der als Produzent bekannte indische Filmerfolge wie „Mission Liebe – Ek Tha Tiger“ oder „Chak De! India – Ein unschlagbares Team“ betreut hat, sieht die Gründe in den steigenden Kosten. Während diese in der Schweiz zugenommen haben, bietet Nachbarland Österreich in Tirol attraktivere Angebote. Singh wägt die Gründe in einfachen wirtschaftlichen Überlegungen. Indiens Filmschaffende nutzen die Auswahlmöglichkeiten, in der Schweiz zu drehen oder doch besser im nahegelegenen Tirol – mit niedrigeren Steuerabgaben und höheren Vergünstigungen.

Als weiteren Grund nennt Singh auch, dass sich das Interesse gewandelt hat. Der heutige Bollywood-Kinogeher ist kosmopolitischer als noch vor 20 oder 30 Jahren. Er möchte neben der Bedienung alter Bollywood-Klischees, von den schneebedeckten Alpen, neue Länder und Destinationen in den indischen Tanzfilmen wieder finden. Gerade durch die Globalisierung und Internationalisierung des Bollywood-Kinos findet auch ein Prozess beim Zuseher statt, der sich nach neuen und „frischen“ Landschaften sehnt.

 

Ein Stück vom Kuchen

Gegenüber der „Schweizer Handelszeitung“ bestätigt Urs Eberhard diese Entwicklung: Die „Bollywood-Filmbranche ist sehr gross – klar wollen andere Länder sich auch ein Stück vom Kuchen abschneiden“, so das Vorstandsmitglied von Schweiz Tourismus. Das hat Auswirkungen auf den Produktionsstandort Schweiz, der im Grunde eigentlich meistens für die Bergwelt Kaschmirs herhalten musste. Die Konflikt-Zone zwischen den Atom-Großmächten Indien und Pakistan ist bisher als Dreh- und Produktionsstandort ungeeignet geblieben.

Doch genau hier findet auch ein Umdenken indischer Produktionsteams statt. Jemand der die Kaschmiri Gebirgsregion besonders attraktiv findet, ist Bollywood-Schauspielstar Salman Khan. Im Vorjahr ließ er einige Szenen für seinen Streifen „Bajrangi Bhaijaan“ im umkämpften Territorial-Bereich drehen. Dafür rührte Khan kräftig die Werbetrommel, um Kaschmir als nahen und preiswerten Drehort anzupreisen. „If you haven’t seen Kashmir, you haven’t seen anything“, so Khan bei einem PR-Auftritt gegenüber indischen Medien.

 

Nicht mehr so wie zu „DDLJ“-Zeiten

Trotz Rückgang indischer Filmcrews ist man gelassen beim Schweizer Tourismusverband. Denn auch die Sehergewohnheiten haben sich geändert: Das Publikum ist junger und anspruchsvoller geworden. Es möchte andere Orte entdecken als ihre Eltern zu Zeiten des Hindi-Blockbusters „Dilwale Dulhania Le Jayenge“. Bei der Schweizer Film-Location beobachtet man den Rückgang mit besonderer Aufmerksamkeit. Während noch in den neunziger und den frühen Zweitausender Jahren bis zu 40 Bollywood-Spielfilme pro Jahr in der Schweiz gedreht wurden, ist es heute nur ein Bruchteil davon.

 

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