Hannibals Alpen-Überquerung wird immer wieder als ein „Verzweiflungsakt“ beurteilt. Dabei hat Karthagos Heerführer alle Vorbereitungen getroffen, um das Gebirge zu bezwingen. Wenn nötig auch mit improvisierten Steigeisen an den Füßen.

 

Die Alpen sind die größte Gebirgskette Mitteleuropas. 218 vor Christus steht Hannibal am Fuß der westlichen Alpen. Über eines der höchsten Kontinentalgebirge möchte der karthagische Feldheer ins römische Reich, nach Norditalien, eindringen. Ihm zur Seite stehen mehr als 50.000 bewaffnete Mann, 9.000 Reiter und geschätzte 38 Kriegselefanten. Sie alle sollen das alpine Hochland bezwingen. Nicht jeder wird am Ende heil ans Ziel kommen. Denn neben Kälte, Höhe und Hunger müssen Hannibal und sein Heer immer wieder mit feindlichen Angriffen rechnen. Für einen haftenden Bodengang im alpinen Gelände sind die Karthager nicht gewappnet.

 

Ein „Werkzeug“ zum Erkunden und Schnüffeln

Auch die letzte Annahme ist berechtigt, trügt aber die Erkenntnis, dass der Karthager Hannibal ohne Vorsorgungen die Alpen bezwungen haben soll. Seine Invasion auf römischen Boden war ein genau geplanter und logistisch aufbereiteter Kriegszug. Um die Berge zu bezwingen greift Hannibal auf alle erdenklichen Instrumente zurück: Darunter auch auf Steigeisen deren Erfindung den Römern zuerkannt wird. Die Dokumentationsreihe „Ancient Discoveries“, zu Deutsch „Ursprung der Technik“ geht der Frage nach, ob Hannibal antike Steigeisen für seinen Gebirgsgang einsetzte – falls ja, wie so ein Aufstieg ausgesehen hätte.

Der Ursprung dieses „Gehwerkzeugs“ reicht in die antike Kriegsführung zurück. Laut dem christlichen Schreiber Tertullian sollen die Trethilfen von römischen Spionen und Kundschaftern eingesetzt worden sein. Dafür lassen sich sogar monumentale Zeugnisse finden: Der Konstantins-Bogen in Rom zeigt einen Ausrüstungsgegenstand. Römische Soldaten tragen sie am Fuß und es zeigt die Form eines heutigen Steigeisens an. Durch den Gebrauch im Spion- und Spitzelwesen wurden diese Schuhe auch als „Kundschafterschuhe“ bezeichnet mit denen man auf Eis und Schnee besonders guten Halt findet.

 

Ein Aufstieg vor laufender Kamera

In der Folge „Ungewöhnliche Kriegsführung“ aus dem Jahr  2008 geht der Militärhistoriker John Naylor auf experimentelle Weise dieser Frage nach. Der Geschichtsforscher zeigt in einem TV-Feldversuch die Einsatzfähigkeit solcher Fortbewegungsmittel. In der Antike waren Sandalen das meist genutzte Schuhwerk. Daher ist es, laut Naylor, sehr wahrscheinlich, dass die Römer ihre Steigeisen mit den Caligae kombinierten. Ähnliche Modelle könnten auch Hannibal und seine karthagischen Mitstreitern genutzt haben. Mit diesen oder ähnlichen Mitteln könnten sie die Alpen vor mehr als 2.200 Jahren passiert haben.

Der Fernsehversuch findet vor alpiner Kulisse im Schnee statt. Naylor, ein erfahrener Alpinist, testet die antiken Steigeisen, Rekonstruktionen von Originalfunden, direkt auf nassem Schnee. Er wechselt seinen Schuh gegen eine Caliga aus und bringt unter ihr die Trethilfe an. Über einen vereisten Hang möchte der Archäologe das Schuhwerk austesten. Angeseilt vom Alpinsten und bestückt mit einem altertümlichen Pickel klettert Naylor den Hang hoch. Seine Skepsis gegenüber den Schuhen löst sich in Luft auf als er merkt wie einfach der Gang bleibt und das Überschreiten vom Eis zu Fels ohne Tücken verläuft.

 

Mit einfacher Technik zum Erfolg

Mit einer 2.000 Jahre alten Klettertechnik erbringt Naylor den Beweis, dass das Bergsteigen mit Sandalen und antiken Steigeisen keine große Hürde gewesen sein sollte. Für Hannibal, der über mehrere Fels, Schnee und Eis ziehen musste, könnten die „Eisen“ eine erhebliche Hilfe gewesen sein. Sein Erfolg die Alpen bezwungen zu haben, ist ein Anzeichen dafür wie problemlos es doch war, mit einfacher Ausrüstung die Berge zu bezwingen. Mit Entschlossenheit und Mut wagt sich Hannibal über alle alpinen Hindernisse hinweg und besiegt die Römer mehrmals auf ihren eigenen Boden.

 

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