In der Doku „Das Geheimnis der Zwerge – Schatzsucher aus Venedig“ geht Sven Hartung der Frage nach wie der allseits bekannte Gartenzwerg zu seinem Aussehen kommt. Der Film ist eine historische Reise vom mittelalterlichen Venedig ins alpine Hochland Mitteleuropas.

 

Der Gartenzwerg wie man ihn heute kennt, hat seinen Ursprung in den Gärten aus der Barock-Zeit. Skulpturen und Statuen aus dieser Ära bezeugen den menschlichen Hang zum Fantastischen. Kleinwüchsige denen immer etwas dazu gedichtet wurde. Ein weltbekanntes Beispiel ist der Mirabell-Garten in Salzburgs Altstadt. Die Figuren aus Marmor sind „steinerne“ Zeugen einer Epoche in der das Wesen der Zwerge in vielen Künsten eingefangen wurde. Mittlerweile hat sich diese Kunst auch in Kitsch verflüchtigt – der Gartenzwerg ist ein Teil davon.

 

Ein Bergarbeiter im Garten

Die Vorstellung oder besser das Klischee, welches wir von Zwergen haben, reduziert sich auf einige Merkmale. Solche Mini-Figuren in Jedermanns Garten bestätigen dieses Bild und prägen es fort: Sei es die rote Zipfelmütze, eine Grubenlaterne oder Spitzhacke und Stiefel. Aber auch der Bart, in all seinen Variationen, der einfach nicht fehlen darf. So hat der Gartenzwerg mit seinem Auftreten und Wirken eher mit einem Berg- und Minenarbeiter etwas gemein als beispielsweise mit einem Gärtner.

 

Spuren in Venedig des Mittelalters

Sven Hartung widmet sich in seiner Dokumentation „Das Geheimnis der Zwerge – Schatzsucher aus Venedig“ auch der Frage, wie unser verklärtes Bild über die Kleinwüchsigen entstanden ist. Historische Quellen zeigen, dass diese Jahrhunderte alten Merkmale eine lange Vorgeschichte haben. So gibt es Berichte, dass bereits vor 4.000 Jahren kleinwüchsige Minenarbeiter eine Art Zipfelmütze getragen haben. Die meist mit Stroh ausgestopfte Kopfbedeckung musste verschiedene Schutzfunktionen erfüllen.

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Genauer fündig wird Hartung aber erst im Spätmittelalter in der Hafen- und Handels-Metropole Venedig. Im 15. und 16. Jahrhundert war die Seestadt ein Brennpunkt wirtschaftlichen Handels. Trotz Entdeckung der Neuen Welt mit 1492 blieb Venedig im adriatischen Meer noch immer eine der bedeutendsten Städte Europas. Um diese Stellung zu halten, haben die Stadtväter viele Unternehmungen vorgenommen: Im Auftrag Venedigs werden kleinwüchsige Berg- und Minenarbeiter ins Hochland geschickt – in die Alpen.

 

Ein „stiller“ Goldrausch in den Alpen

Die Zwerge aus Venedig wurden von der Stadt beauftragt, im alpinen Gelände nach Gold und anderen wertvollen Bodenmetallen zu suchen. Sollten sie nördlich der Alpen fündig werden, erteilt ihnen die Stadtverwaltung das Schürfrecht zu, es auch abbauen zu dürfen. In Hartungs Dokumentation wird erklärt wie die kleinwüchsigen Schatzsucher über alle möglichen Wege fast zeitgleich in die Alpen vordringen – einen stillen und geheimnisvollen Goldrausch nachgehen. Einer Unternehmung, die vielleicht nur den Stadtvätern Venedigs bekannt war.

Für die Anrainer im Hochland und in den Alpen sind die kleinen Venezianer „recht geheimnisvolle Gestalten gewesen, die etwas Mystisches an sich hatten“, so der Mineraloge, Dr. Wilfried Ließmann. Die Menschen auf denen die Kleinwüchsigen gestoßen sind, haben die undurchschaubaren Minenarbeiter nicht enträtseln können. Ließmann meint, dass „sie sich mit ihrer eigenen Fantasie da drüber gemacht haben“. Die Unnahbarkeit an die venezianischen Schürfer ist der Stoff fantastischer Dichtungen und Sagen.

 

Rätselhafte Wesen aus der Erde

So wurden Geschichten über Zwerge erzählt, „dass sie also an einem Ort verschwunden und an einem anderen Ort sofort wieder erscheinen, durch die Luft reisen können“, so Ließmann in der Doku. Durch ihr Erscheinungsbild wurden sie auch als „zauberkundige Fremde oder als geisterhafte Wesen“ bezeichnet. Neben den vielen Verklärungen hat man die Zwerge Venedigs im Alpenraum unterschiedlich angesprochen wie Venezianer, Venediger, Erzmännchen, Walen oder Venediger Mantel und Venediger Mandl.

 

Tarnung als „Geschäftsstrategie“

Viele der in Hartungs Dokumentation erläuterten Begriffe sind auch in einer „Mehrzahl“ zu lesen. Denn um unentdeckt nach Stollen, Goldminen oder Erzadern zu suchen, sind die „Venediger Zwerge“ meistens allein oder in kleinen Gruppen aufgebrochen. So haben sie sich den Alpen-Bewohnern auch getarnt gezeigt, ob als fahrende Händler oder Hausierer. Doch egal wo sie auftauchen, fallen sie durch ihre Körpergröße und ihr fremdländisches Aussehen sofort ins Auge. Doch es gibt noch einen anderen Grund warum sich die Zwerge bedeckt halten.

 

Zwerge mit „riesigen“ Kräften

Im Mittelalter gelten die alpinen Regionen als gefährlich. Die Hoheit der verklärten Natur und ihrer Witterungen sowie die isolierten Täler und Dörfer inmitten der Berge prägen die Menschen in diesem Raum. Ihre Not aber auch ihr dürftiges Wissen, welches sich mit Aberglauben paart, weist daraufhin, dass die Bewohner keine besonderen Kenntnisse über die heimischen Bodenschätze verfügten. Die zwergischen Schatzsucher haben daher alles unternommen, dass dieses Wissen weiterhin ein gut behütetes Geheimnis bleibt.

Ließmann erklärt, dass die Zwerge an Dingen Interesse hatten „über die dann normale Mensch in den Bergen lebte, eigentlich keine Ahnung hatte und das machte sie natürlich besonders geheimnisvoll.“ Als fleißige Minenarbeiter und tüchtige Geschäftsleute haben sie „nicht viel über sich selbst preisgegeben haben und wenn sie was über sich preisgegeben haben, dann liegt es nah, dass sie auch versucht haben ihr eigentliches Ziel irgendwie zu verschleiern“, so der Mineraloge. Das erklärt ihr getarntes und geheimnisvolles Auftreten.

 

Dankbare, schenkungsfreudige Schatzsucher

Unermüdlich und ununterbrochen schürfen die Schatzsucher in den alpinen Minen. Im Winter brechen oder beenden sie die Schürfarbeiten. Zum einen, weil die ungünstigen Witterungen im Winter die Ausgrabungen gefährden. Der andere Grund ist der, dass sie ihre Funde – heimlich vor den Anrainern – nach Venedig überführen müssen, um diese weiterzuverkaufen. So ist es nicht verwunderlich, dass viele kleinwüchsige Schatzsucher ein Vermögen machten und später selbst ihre eigenen Unternehmungen gründen.

In den Venetianer-Sagen werden die Zwerge, laut „Wikipedia“, auch als freundlich, hilfsbereit und schenkungsfreudig geschildert. Erzählungen berichten wie einheimische Helfer oder lokale Mitwissende von den Schatzsuchern fürstlich entlohnt wurden. Die Schenkungen haben gewöhnlich erst nach der Abreise der Zwerge stattgefunden, meistens aus zwei Gründen: Wenn die Zwerge ihre Minen bekannt geben wollten oder wenn sie genug gesammelt hatten und nicht mehr wiederzukommen brauchten.

 

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