Im Hochland des Anden-Gebirges liegt der Titicaca-See. Dessen älteste Bewohner, die Uros, leben seit Jahrhunderten auf dem See. Vor den Coya geflohen und den Inka versteckt, haben sie sogar die spanischen Invasoren überlebt – der modernen Zivilisation können sie sich aber nicht entziehen.

 

Der Titicaca-See im Anden-Gebirge gilt als der höchste schiffbare See der Welt. Er liegt rund 3.812 Meter über dem Meeresspiegel und ist etwa 280 Meter tief. Mit einer Länge von 178 Kilometern und einer Breite mit mehr als 67 Kilometern ist er der zweitgrößte See Südamerikas – nach dem Maracaibo-See in Venezuela. Von seinem Umfang her ist er 15 Mal so groß wie der Bodensee und gilt aufgrund seiner starken Nutzung als schwer verschmutzt. Der Name des Sees leitet sich von seiner ursprünglichen Bezeichnung Titicaca ab.

 

„Große Katze“ im Gebirge

Die ursprüngliche Benennung steht für den Begriff Sonneninsel. In der Aymara-Sprache, dem gesprochenen Wort einer Ureinwohner-Gruppe Südamerikas, setzt sich Titicaca aus zwei Wörtern zusammen: titi für „Große Katze“ und kaka für die Benennung der Farbe „grau“. Der legendären Bedeutung nach soll Manco Cápac, ein Herrscher aus der Inka-Mythologie, über einen Fels auf der Sonneninsel zur Erde herabgestiegen sein. Dieser Brocken hat auch die Kopfform einer Katze, die man auch beim Titicaca-See wiederfindet, wenn man die Karte umdreht.

 

Im Zusammenspiel mit der Natur

An den Ufern des Titicaca-Sees soll das Volk der Uro früher auch gelebt haben. Ihre Nachbarn aus dem heutigen Chile, die Coya auch Kolla genannt, wollten sie versklaven wie auch die Inkas. Letztere wollten sie als Bergarbeiter in den Silberminen des Inka-Reichs einsetzen. Um ihren Verfolgungen zu entgehen, flüchten die Uros direkt auf den See in die weiten undurchdringbaren Schilffelder wo man sie schwer ausfindig machen konnte. So gelang es später den Indigenen sich auch vor den kolonisierenden Spaniern zu verbergen.

Heute leben die Uros auf oder um das Binnengewässer. Über die Jahrhunderte ist so eine Symbiose zwischen dem Volk der Uro und dem Titicaca-See entstanden. Durch die zunehmende Industrialisierung leben die Indianer heute weit im Osten des Sees auf der peruanischen Seite. Ihre traditionelle Lebensweise haben sie sich als eines der wenigen Anden-Völker bis heute erhalten. Regisseur Manfred Uhlig widmet sich in seiner TV-Dokumentation „Das Meer der Anden – Menschen am Titicacasee“ auch der Frage, wie die Uros in der Moderne auf dem See leben.

 

Die Berg- und Wasserwelt der Uros

In der „majestätischen Bergwelt“ leben die Uros am See als Fischer, Touristenführer aber auch als Entenjäger. Durch die traditionelle Lebensweise, die sie sich bis heute erhalten haben, profitieren die Uros auch vom Tourismus. Uhlig begleitet die indigenen Seemenschen bei ihrem Alltag auf den Schilffeldern. Einer von ihnen ist der Uro-Indianer Homar Lujano, der mit seinem Boot als Taxi- und Kurierfahrer arbeitet. Durch diese Erwerbsmöglichkeit versorgt er nicht nur seine Familie, sondern finanziert auch sein Abendkurs-Studium.

© Manfred Uhlig/ECO Media

Von der Insel wegzuziehen, kann sich Homar allerdings nicht vorstellen. Die Lebensweise seiner Eltern will er beibehalten. Im Gegensatz zu Homar sind viele Uro-Familien und -Sippen ans angrenzende Ufer gezogen – von dort aus halten sie ihre Seebehausungen instand. Durch das hohe Touristen-Aufkommen steht der See besonders im Blickpunkt Neugieriger. Aus den entlegenen traditionellen Schilfinseln sind heute Touristen-Magnete entstanden, die jährlich tausende Besucher an und auf den See ziehen.

 

Schilf, ein lebenswichtiges Gewächs

Wie das „Reisetagebuch Arminius-on-Tour“ berichtet, muss man für die Hin- und Rückfahrt zu den Inseln zehn peruanische Soles bezahlen. Weitere fünf Soles um eine der vielen Schilfsinseln zu betreten. Die aus Totora-Schilf gebauten Eilande und Boote zählen zu den großen Sehenswürdigkeiten für Anreisende. Weil dieser Röhrenwuchs rasch verfault, muss er immer wieder ersetzt werden. Auch die vielen Boote im traditionellen Stil, liebevoll auch Caballito de Totora, zu Deutsch „Schilf-Pferdchen“ gerufen, überdauern nur mehrere Monate. Der Bootfahrer Homar muss daher auch sein Haus immer wieder mit frischem Schilf nachlegen.

Uhlig zeigt ihn in der TV-Doku wie Homar Verwandten dabei hilft, das Schilf abzupflanzen und es für die Insel zu befestigen. Das Schilf, welches die begehbare Grundlage bildet, muss „alle zehn Tage erhöht werden, sonst würde die Insel mit der Zeit untergehen“. Um die richtige Länge abzumähen, muss Homar „ungefähr 15 bis 20 Zentimeter über dem Boden abschneiden damit es nachwächst“. Ohne das Schilf „müssten wir ja wieder wie in Urzeiten auf dem Land leben“, so Homar.

 

Enten-Jagen am Titicaca-See

Als eine weitere Uro-Tradition zeigt Uhlig Homars Jagd auf Geflügel: Speziell Enten für die er einfache aber praktische Fallen aufstellt. Eine Jagdtechnik, die Homar einsetzt, als Fangvorrichtung direkt auf den Wasserwegen aufgestellt, welche die Enten häufiger durchqueren. „Wenn man genau hinschaut, sieht man wo sie sich ausruhen und wo sie ihre Federn wechseln. Genau da verstecke ich die Fallen.“, so der Wirtschaftsstudent. Mit Bindfaden und Schilf bastelt Homar eine Schlinge für die Enten, wenn sie diese durchschwimmen, um sie ruckartig einzufangen.

Auf die Frage von Uhligs Drehteam, wie er das Entenjagen gelernt, erzählt Homar, dass es ihm von seinem Vater anerzogen wurde: Seinen ramponierten Vorderlader hat er auch von seinem Vater bekommen, ein Stück „Familienbesitz“ mit Marke „Eigenbau“. Die Zündhütchen formt sich der Geflügeljäger aus Zeitungspapier. Dann wartet Homar bis er eine Ente vor seinem Visier bekommt. Beim Filmen misslingt Homar der einzige Schuss und die Ente watschelt ihm davon. „Sie ist abgehauen, der Schuss hat sie nur gestreift“, so der Uro.

 

Nahrungsquelle der Uros bedroht

Für die Uros ist Fisch die Hauptnahrungs-Quelle am Titicaca-See. Die einseitige Ernährung zeigt ihre Auswirkungen auf die Ureinwohner. Ihre stämmige Statur ist das Merkmal einer unausgewogenen Ernährung. Aber auch die Fischbestände im See sind bedroht. Durch die steigende Umweltverschmutzung, Überweidung und Erosion sind Flora und Fauna akut gefährdet. Neben dieser Entwicklung sorgen auch die mehr als 30.000 Minen am See, die meisten illegal, für die Verschmutzung des Anden-Gewässers.

 

Alter Zauber gegen moderne Zivilisation

Für den Aymara-Indianer, Bauern und Heiler Don Zacharias ist der Gebirgssee „seit alter Zeit ein heiliger Ort“. Das „Wasser gibt uns Nahrung“, so Zacharias. Ohne den See wäre für die Menschen in diesem Teil des Anden-Hochlands kein Überleben möglich. Uhligs Dokumentation zeigt einen Blick in das Alltagsleben der Uros sowie ihre aussterbende Lebensweise. Heute lebt nur ein Bruchteil der Uro-Indianer auf dem See – die Vorzüge der modernen Zivilisation haben auch vor ihnen nicht Halt gemacht.

 

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