Der Debütroman von Vea Kaiser erzählt die „popige“ Chronik einer Familie von Wissenschaftlern in den Alpen. Dabei kehrt die Jungautorin auch das Sonderbare aus Geistlichen, Pfarrersköchinnen und Dorffußballern heraus – und präsentiert eine witzige sowie faszinierende Milieu-Studie.

 

Mit ihrem Debütroman „Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ hat Vea Kaiser 2012 für großes Aufsehen gesorgt. Die damals 23-jährige Schreiberin gewährt in ihrem Buch einen Blick auf das alpenländische aber fiktive Bergdorf Sankt Peter am Anger. Auf witzige und faszinierende Weise erzählte Kaiser eine akademisierte Familiengeschichte. Im Grunde ein Roman „über blöde Dorfleute“, dessen Idee die Autorin bereits im Alter von 16 Jahren angesprochen haben soll – über einen Jungen, der in einem Dorf gefangen ist. „Das ist dann so bunt geworden.“, so Kaiser.

 

Halt bei Sankt Peter am Anger

© Kiepenheuer & Witsch
© Kiepenheuer & Witsch

Beim Joggen bekommt Kaiser die meisten Ideen. Das Laufen bringt nicht nur den Körper auf Hochtour, sondern verschafft ihr auch einen klaren Geist. In einem Interview meint die Schriftstellerin, dass sie beim Sprint irgendwann müde geworden sei und  „ins Gras gefallen“ ist. Das soll ihr „auf der Höhe von Sankt Peter am Anger“ passiert sein und „so war auf einmal die Idee für diesen Roman“ da. Ob Zufall oder Unfall bleibt fraglich: Kaisers Roman „Blasmusikpop“ beginnt mit einem Zwischenfall im Jahr 1959. Im Mittelpunkt der ersten Chronik ihres Buchs steht der jungverheiratete Holzschnitzer Johannes Gerlitzen.

Bei Holzarbeiten im Wald trifft Johannes ein Stamm auf der Schulter. Diese verrenkt sich und der Verletzte bricht sich zudem die Hand. Durch den Bruch bedingt muss er zuhause bleiben was Johannes rechtens ist – ihm Zeit gibt, mehr Muße mit seiner frisch angetrauten Frau Elisabeth zu „verflittern“. Im Roman erläutert Kaiser auf kuriose Weise den „Honeymoon“-Begriff: „In den Fünfzigern waren Flitterwochen in Sankt Peter am Anger noch nicht erfunden“, so im Buch verheißungsvoll geschildert. Die Anspielungen auf die Eigentümlichkeiten der Dorfbewohner ist das eigentliche Lesevergnügen.

 

Frech, kurios und blasiert

Über drei Generationen lang schreibt die Jungautorin eine eindrucksvolle und irre Familien-Saga, deren Mitglieder sich ganz und gar der Wissenschaft hingegeben haben. Ganz keck und mit einer Vorliebe für das Außergewöhnliche schreibt Kaiser über Bahntürme, über Seifenkisten „die zum Mond fliegen wollen“. Aber auch um Geistliche, Pfarrersköchinnen, kleinen Ministranten, die zu Helden werden. Zudem um einen passionierten Dorffußballer, der das „Herz am rechten Fleck“ hat wie auch um eine Teenager-Prinzessin, die auf eine sehr mysteriöse Art relativ früh schwanger wird.

Kaisers Buch ist auch eine Widmung an ihren Opa Hermann. Die Enkelin soll während der Schaffensphase ihres literarischen Werks „all die Unterstützung“ von ihm erhalten haben. Ihre Erzählungen stützt Kaiser aber auch auf die Bergwelt um Sankt Peter und führt den Leser gleich ins alpine Gelände. Mit den vielsagenden Wörtern: „Am Anfang war ein Berg“, erfährt man, dass sich um das Dorf, die Sporzer Alpen erheben, eine Gebirgskette von Viertausendern. Die Bergdorf-Bewohner werden von Kaiser liebevoll Bergbarbaren genannt.

 

Phasen einer Jungautorin

Ihre Vorliebe für das Sonderbare erzählt Kaiser in einem Interview, die auch ihre eigenen „Macken“ hat. Denn sie selbst hat eine „Schwäche“ für Fußball, Stöckelschuhe und Altgriechisch. Ihre Disziplin für das Geschichtenerzählen unterteilt Kaiser in zwei Schreibphasen: Nämlich die euphorische und die manische Schreibphase. „Die euphorische Schreibphase ist eine Zeit, wo ich überall und unter allen Bedingungen schreiben kann. Und die manische Schreibphase ist die, wo ich auf meinem Schreibtisch ohne Kontakt zur Außenwelt einfach ganz konzertiert arbeiten muss“, so Kaiser über die Entstehung ihres Werks.

 

Weiterführende Links

  • YouTube – Vea Kaiser liest aus „Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ (zehnSeiten.de)
  • Wikipedia – Vea Kaiser
  • YouTube – Vea Kaiser und ihr Debüt »Blasmusikpop« im Porträt
  • KiWi Verlag – Vea Kaiser

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