Sven Hartung beschäftigt sich in „Das Geheimnis der Zwerge – Schatzsucher aus Venedig“ mit der Frage wie zwergenhafte Schatzsucher der berühmten Lagunen-Stadt zu Reichtum verhelfen. Tatsächlich dienen sie der Seestadt als unabkömmliche „Machterhalter“ aus den Alpen.

 

Im Spätmittelalter sowie zur Beginn der Neuzeit zählt Venedig zu den bedeutendsten Städten Europas. Das New York der Renaissance ist Hafen- und Handelsmetropole des gesamten Marktes im östlichen Mittelmeer-Raum. Den Beinamen La Serenissima, zu Deutsch Die Durchlauchtigste, verdankt Venedig nicht nur ihrem Sonderstatus als Stadtstaat, sondern auch vielen anderen Errungenschaften. Verdienste, die erst durch die Beteiligung ihrer Bewohner, der Veneter oder Venetier errungen wurden.

 

Das Mysterium der „kleinen“ Schatzsucher

Eine besondere Rolle spielen dabei Venedigs kleinwüchsige Einwohner. Zwergenhafte Gestalten, die in der Neuzeit, möglicherweise schon ab dem Spätmittelalter, der mächtigen Adria-Stadt gute Dienste leisteten: Im Auftrag der venezianischen Stadtväter reisen sie in die nördlichen Alpen um Venedig zu mehr Einfluss und zu größerer Macht zu verhelfen. Regisseur Sven Hartung geht in seiner Dokumentation „Das Geheimnis der Zwerge – Schatzsucher aus Venedig“ der Frage nach wie Venedig seinen Wohlstand den Zwergen verdankt.

 

Vom adriatischen Meer in die Berge

© MIRAMEDIA GmbH

Seit dem Untergang des weströmischen Reichs und der nachfolgenden Völkerwanderung hat Venedig immer einen „Sonderstatus“ genossen. Obwohl als Teil des oströmischen, später auch bekannter als das byzantinische Reich, war die Lagunen-Stadt in der Adria stets ein überregionaler und unabhängiger Schauplatz der Großmächte. Venedigs Stadtväter, die aus den mächtigsten Adelsfamilien der Handelsmetropole entstammten, bauten über die Jahrhunderte diese Sonderstellung aus – ob zu Wasser oder auf dem Land.

Im 15. und 16. Jahrhundert wurden zwergenhafte Bewohner Venedigs und aus dessen Umland angeworben. Nördlich der Alpen sollten sie nach Gold und anderen wertvollen Bodenschätzen Ausschau halten. Laut Hartungs Doku ziehen „die zwergenhaften Schatzsucher“ direkt von Venedig aus in die Alpen-Regionen. Von dort aus auch weiter bis ins deutsche Mittelgebirge. Quellen berichten, dass es viele Schatzsucher sogar bis in die Gegend des Harz-Gebirges verschlug. Ein „stiller“ Goldrausch von dem die Ansässigen in den Anrainer-Regionen nichts erfahren.

 

Als fahrende Händler oder Hausierer

Klammheimlich und ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen, nisten sich die kleinwüchsigen Goldgräber und Minenarbeiter in den entlegenen Dorf- und Landgegenden der Alpen ein. Wie die Doku berichtet, kommen „die venezianischen Schatzsucher fast immer allein oder in kleinen Gruppen“. Gegenüber der lokalen Bevölkerung treten als „fahrende Händler oder Hausierer“ auf. Aufgrund ihrer Körpergröße sorgen Venedigs „Machterhalter“ trotzdem für reges Interesse sowie fantastischen Gesprächsstoff.

 

Bergarbeiter mit eisernem „Schweigegelübde“

In der Dokumentation erklärt der Mineraloge,  Dr. Wilfried Ließmann, warum die zwergenhaften Schatzgräber so „geheimnisvoll“ wahrgenommen wurden: Zum einen liegt es an der Kleidung. Zudem „redeten die in einer völlig anderen Sprache, die man hierzulande natürlich nicht verstanden hat“, so der Gesteinsforscher. Ließmann erklärt auch, dass sie „Interesse an Dingen“ hatten „über die dann der normale Mensch in den Bergen lebte, eigentlich keine Ahnung hatte“ und dem dies so ungewöhnlich erschien.

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Das geheimnisvolle Auftreten der Zwerge hatte aus Sicht Venedigs wirtschaftliche aber auch politische Gründe. Die kleinwüchsigen Venezianer mussten einerseits nicht nur die Monopol-Stellung ihrer Auftraggeber aufrecht erhalten. Sie waren zugleich auch daran gebunden, ihre Geheimnisse und die der Stadt Venedigs nicht preiszugeben. Denn seit dem Spätmittelalter war die Lagunen-Metropole vielen Anrainer-Nationen ein Dorn im Auge geworden. In Hartungs Doku ist Venedig eine Stadt „in der Steine aus dem Wasser wachsen und deren Bewohner in Reichtum und Luxus leben ohne selbst Land zu bestellen.“

 

Gold regiert die Mittelmeer-Welt

Eine solche Stellung fördert nicht nur Neid und Missgunst. Vielmehr hebt sie auch die Schwächen und Mängel hervor, die man umso stärker in den Mittelpunkt rückt. Trotz der Vormacht die Venedig genießt, ist die Seestadt abhängig von den politischen und wirtschaftlichen Schwankungen. Während auf dem italienischen Festland der Papst das Sagen hatte, war nördlich der Alpen alles den deutschen Kaisern unterstellt. Aus dem Osten, wo Byzanz untergegangen war, wurden die anrückenden Osmanen nicht nur als Feinde, sondern häufiger auch als Bündnis- und Wirtschaftspartner wahrgenommen.

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Als unabhängige See-Metropole konnte Venedig sowohl mit dem christlichen Papstum als auch mit den muslimischen Osmanen eigene politische Einigungen treffen. Um sich derer Gunst sicher zu sein, waren die Venezianer bestrebt, die Wünsche und Forderungen der Gegenseite zu erfüllen: Zum einen wurde „der gesamte europäische Handel mit dem Orient wird von venezianischen Kaufleuten abgewickelt.“ Der andere Grund war, dass man im Morgenland „nur Gold im Austausch mit kostbaren Luxuswaren und Gewürzen wie Pfeffer, Zimt und Muskat“ akzeptierte.

Die Stadtväter Venedigs standen nun vor einem Problem: Ihnen ging allmählich das Gold aus. Für den venezianischen Stadthistoriker Alberto Toso hatte der Handel mit Gold nicht nur Prestige-Gründe. Vielmehr wurde es „ab einem bestimmten Zeitpunkt zu einer sehr seltenen Ware.“ Das ist der Punkt wo die zwergenhaften Schatzsucher ins Spiel kommen. „Da es in einer Lagunenstadt wie Venedig, die natürlich über kein Gold – nichts zu finden war, begann eine krampfhafte Suche nach Gold außerhalb der Stadt.“, so der Venedig-Experte.

 

Ein „stiller“ Goldrausch für Venedig

Die Geheim-Missionen der zwergischen Schatzsucher bekommen unter diesem Blickpunkt eine andere Bedeutung. Mit dem Gold, den die kleinwüchsigen Berg- und Minenarbeiter aus den Alpen abbauen, konnte Venedig seine Position halten, wenn auch nie ganz ausbauen. Ein Großteil der Edelmetalle wurde vor allem aus Deutschland in die Lagunen-Stadt überführt. Der lange Transportweg über die Alpen sowie das Misstrauen der lokalen Bevölkerung erschwerte für die Schatzsucher nicht nur die Tätigkeit unter Tage.

Vielmehr waren sie ständig der Gefahr ausgesetzt, die Blicke der dort ansässigen Territorial-Herren auf sich zu lenken. Für die Schatzsucher aus dem Süden war es daher ein Auftrag mit lebensgefährlichen Folgen. Denn in fremden Regionen offiziell nach Gold zu suchen, hätte Venedigs Machtbestrebungen zunichte gemacht. Für Ließmann war es nur „in geheimer Mission möglich, dass man praktisch illegal sich in andere Territorien umtat, um diese Erze zu finden.“ Für Venedigs Reichtum mussten die „kleinen“ Venezianer dieses große Mysterium bewahren – das Geheimnis der Zwerge.

 

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