Seit gestern haben die Dreharbeiten zum Kurzfilm „Grenze (AT)“ in Tirol begonnen. Das Abschluss-Filmprojekt von Studenten der Hamburg Media School beschäftigt sich anhand eines Frauenschicksals mit der aktuellen Flüchtlingspolitik. Eine Frauen- und Fluchtgeschichte durch Tirols idyllische Bergwelt.

 

Am Ende zählt nur das Eine: Über den Berg zu kommen, es hinter sich zu bringen. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit den vielsagenden Worten Wir schaffen das nicht nur die Richtung ihrer Flüchtlingspolitik bestimmt. Sie stellt damit auch den Standpunkt klar, welche Verantwortung auf jeden Einzelnen zukommt, der innerhalb der deutschen Grenzen lebt. In welche politische Kerbe die Kanzlerin hier einschlägt, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Wie auch immer sich das politische Klima wendet, eine filmische Reflexion dieses Themas bleibt nach wie vor fesselnd und interessant.

 

Künstliche und natürliche Grenzen

Wenn man von Grenzen oder Territorien spricht, drängen sich einem viele Bilder im Kopf: Einschränkungen, Reisepässe und andere Dokumente, Zäune oder Mauern. Daneben existieren noch viele andere natürliche Barrieren, die auf den ersten Blick überschaut oder unterschätzt werden. Ob Meere, Berge, die Natur und ihre Gewalten, welche die Menschen als Naturkatastrophen heimsuchen. Gerade das Gebirge zählt, mit seinen Höhen und unsicheren Wetterverhältnissen, zu den gefährlichsten Regionen die überquert werden – noch heute.

 

Startschuss für ein Abschluss-Filmprojekt

Eine eigene Geschichte der „Alpen-Überquerung“ erzählt der Kurzfilm „Grenze (AT)“. Zurzeit befindet sich das Projekt von Studenten der Hamburg Media School noch in der Entstehung. Die erste Drehklappe ist gestern in den Bergen Tirols gefallen. Dort spielt auch der Großteil des auf 20 Minuten geplanten Sozial-Dramas, das auch von der Filmcommission Cine Tirol gefördert wird. Die Dreharbeiten sind auf zehn Tage angesetzt und werden bis 11. August andauern. Als ein Abschluss-Filmprojekt des Master-Studiengangs „Film“ setzt sich die Produktion mit den Themen „Frauen auf der Flucht“ sowie „Grenzen ohne Freiheit“ auseinander.

 

Ein Kurzfilm über eine Flucht durch die Berge

Ein Flucht-Szenario durch die Berge ist auf den ersten Blick noch nichts Neues. Aber der Zugang wie die jungen Hamburger Filmemacher an das Projekt herangehen, hat in dieser Form etwas Originelles. Es ist eine Art Roadmovie, die ihren Anfang irgendwo in, vom Bürgerkrieg zerrütteten, Syrien nimmt. Die Story ist aber auch eine Frauengeschichte: Eine junge Frau, alleine auf der Flucht durch die Berge Mitteleuropas, mit dem Drang irgendwie nach Deutschland zu gelangen. Schlepper sind ihr auf den Fersen doch Aminah, so der Name der jungen Frau, findet ihren Weg.

Der Pfad führt sie durch die Tiroler Alpenwelt wo sie auf ein junges Urlauber-Pärchen trifft, das sich widerwillig dazu entschließt, Aminah zu helfen. An der fiktiven Filmfigur interessiert die Filmemacher, wie „sich Frauen alleine auf der Flucht“ durchschlagen. Für Drehbuchautorin Clarissa Sophia Thurnher ist „Grenze (AT)“ eine Frauengeschichte, stellvertretend für viele andere Schicksale weiblicher Flüchtlinge, die eine ähnliche Erzählung vorweisen. Die Filmstudenten orten darin ein Muster, dass immer mehr Frauen alleine, ohne ihre Familien oder Männer, einreisen. Eine statistische Feststellung, die sie filmisch verarbeiten wollen.

 

Schicksal einer jungen Flüchtlingsfrau im Gebirge

Unter der Regie von Thomas Eggel, der selbst in den Schweizer Alpen geboren und aufgewachsen ist, soll der Fluchtfilm nicht nur ein Frauenschicksal aufgreifen. Vielmehr wollen sich die Filmemacher bemühen einen intensiven Einblick zu geben, „die Menschen hinter den Opfermasken kennenlernen.“ Das Projekt beschäftigt sich auch damit wie Frauen „oft doppelt in einem Opferschicksal“ gefangen sind. Interessant in diesem Zusammenhang welche kulturellen „Vorbelastungen“ sie mit sich tragen müssen, um sprichwörtlich „über den Berg“ zu kommen.

Aus den Nachrichten und Tagesmedien ist man als Zuschauer oder Leser geübt, sich eine vorgefasste Meinung „bestätigen“ zu lassen. Eggel, Thurnher und das ganze Produktionsteam um Producer Feodora Frickert hinterfragen aber mit ihrer „Projektidee“ diese festgelegten Standpunkte. Denn „eine oberflächliche Betroffenheit verhindert oft eine Auseinandersetzung mit dem einzelnen.“ Aminahs Geschichte ist die Darstellung eines Opferschicksals, stellvertretend für viele andere denen noch immer ein ähnliches Übel widerfährt.

 

Hinter den Bergen liegt die „westliche Welt“

Mit „Grenze (AT)“ haben sich die Macher auch das Ziel gesetzt, den „Frauen eine Stimme zu geben“, zu zeigen „was sie auf ihrer Flucht erlebt haben“. Regisseur Eggel möchte mit dem Film auch einen Einblick in das Seelenleben seiner weiblichen Hauptfigur liefern und ihre „Träume und Vorstellungen“ von der westlichen Welt visualisieren. Für diese Umsetzung sorgt Johannes Kaczmarczyk, der als Kameramann die Bilder vor der tirolerischen Bergkulisse einfängt. Nach den Drehs in Österreich will man den Film, unter der Leitung von Prof. Richard Reitinger von der Hamburg Media School, bis Oktober fertig stellen. Ein Erscheinungstermin ist für das Frühjahr 2017 geplant.

 

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